Überblick
09.02.2018

Botschaft des Friedens: Olympisches Feuer brennt

Von Martin Beils und Dirk Godder, dpa

Pyeongchang (dpa) - Noch vor dem Entzünden des olympischen Feuers lieferten die starken Gesten der koreanischen Versöhnung den Olympischen Winterspielen von Pyeongchang ihre ersten großen Momente.

Auf der Ehrentribüne des Olympiastadions beklatschten am Freitag Südkoreas Staatspräsident Moon Jae In und Kim Yo Jong, die Schwester von Nordkoreas Kim Jong Un, den gemeinsamen Einmarsch der Athleten beider Länder bei der Eröffnungsfeier mit dem Motto «Frieden in Bewegung».

Der anschließende Händedruck von Moon mit Kim Yo Jong nährte die zarte Hoffnung auf eine vorsichtige Annäherung der beiden Staaten nach der Zuspitzung des Konflikts um das nordkoreanische Atomprogramm im vergangenen Jahr. Die US-Delegation unter Leitung von Vizepräsident Mike Pence reagierte allerdings unterkühlt. Einem von Moon gegebenen gemeinsamen Abendessen ranghoher politischer Gäste, darunter auch Kim Yo Jong, entzog sich Pence nach wenigen Minuten.

Auf der Tribüne zur Eröffnungsfeier nur wenige Meter neben der Nordkoreanerin platziert, wirkte der Vizepräsident distanziert und applaudierte nur dem eigenen Team beim Einmarsch. In einem Interview des Senders NBC erneuerte Pence die Haltung der USA, zur Lösung des Nordkorea-Konflikts notfalls auch auf militärische Optionen zurückzugreifen. «Präsident Trump und unsere Verbündeten in der Region haben sich verständigt, die gemeinsamen militärischen Manöver bis nach den Olympischen Spielen zu verschieben», sagte der Republikaner. Es sei aber klar, dass die USA und ihre Verbündeten bereit seien, «jedwede notwendige Maßnahme» zu ergreifen, um sich selbst und ihre Partner zu verteidigen.

IOC-Chef Thomas Bach sah in dem gemeinsamen Einzug der koreanischen Teams ein Beispiel «für die einzigartige Kraft des Sports, Menschen zu vereinen». «Alle Athleten um mich herum, alle Zuschauer hier im Stadion und alle Olympia-Fans, die rund um die Welt zuschauen ... Wir alle sind von dieser wunderbaren Geste berührt», sagte der Präsident des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) in seinem Grußwort. «Wir alle schließen uns Ihnen an und unterstützen sie in Ihrer Friedensbotschaft.» Der gemeinsame Einmarsch hat ein historisches Vorbild in Deutschland. 1960 und 1964 zogen die Athleten aus DDR und Bundesrepublik insgesamt vier Mal gemeinsam in Olympiastadien.

Bei Temperaturen um minus zwei Grad und einem unangenehmen Wind mochte bei der Eröffnungsfeier trotz des farbenprächtigen Licht- und Musikspektakels der Funke auf das Publikum zunächst kaum überspringen. Als die süd- und nordkoreanischen Sportlern vor 35 000 Zuschauern und einem Milliarden-Publikum weltweit an den Fernsehern in das Stadion kamen, änderte sich das.

22 Athleten hat Nordkorea zu den Spielen in den Süden geschickt. Das IOC hatte den kurzfristigen Start der Nordkoreaner möglich gemacht. Die nordkoreanische Eishockeyspielerin Hwang Chung Gum und der südkoreanische Bobfahrer Won Yun Jong führten beim Einmarsch das Team an und schwenkten gemeinsam die Vereinigungsflagge.

Wenig später überbrachten die Eishockeyspielerinnen Park Jongah (Südkorea) und Jong Su Hyon (Nordkorea), die in einem gemeinsamen Team bei den Winterspielen antreten, die olympische Fackel an die südkoreanische Eiskunstlauf-Ikone Kim Yuna. Die Olympiasiegerin von 2010 entzündete um 22.09 Uhr Ortszeit das olympische Feuer.

27 Minuten zuvor hatte Südkoreas Staatspräsident Moon vor den Augen unter anderen von US-Vizepräsident Pence, Japans Premierminister Shinz Abe, UN-Generalsekretär António Guterres und Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier eröffnet. Mit der traditionellen Formel «Ich erkläre die XXIII. Olympischen Winterspiele von Pyeongchang für eröffnet» gab er das Startsignal für das dritte Weltfest des Wintersports in Asien nach 1972 in Sapporo und 1998 in Nagano.

An dem Spektakel auf Eis und Schnee in der an Nordkorea grenzenden Provinz Gangwon nehmen über 2900 Sportler aus 92 Ländern teil. In den kommenden 16 Tagen werden in 102 Wettbewerben Medaillen vergeben. Südkorea ist zum zweiten Mal Schauplatz Olympischer Spiele nach den Sommerspielen 1988 in der Hauptstadt Seoul.

Die emotionalen Gesten des Friedens übertünchten zumindest für kurze Zeit das Thema Doping, sichtbar war es bei der Zeremonie dennoch. Wegen der Suspendierung ihres Nationalen Olympischen Komitees liefen die vom IOC zugelassenen russischen Athleten unter der Bezeichnung «Olympische Athleten aus Russland» in ungewohnter grau-blauer Teamkleidung und mit weißen Schals ein. Die deutsche Mannschaft zog - angeführt vom Nordischen Kombinierer Eric Frenzel als Fahnenträger - als neuntes Team in das Stadion ein.

Bevor der Sport die Massen in seinen Bann zieht, nahm die Eröffnungsshow die Zuschauer mit auf einer Fantasie-Reise durch Kultur und Geschichte Koreas. Nach der etwa zweieinviertelstündigen Zeremonie in dem nur für die Eröffnungs- und Schlussfeier genutzten fünfeckigen Stadion, das nach den Paralympischen Spielen wieder abgebaut wird, gehören die olympischen Arenen bis zum 25. Februar den Athleten.



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