Überblick
21.04.2017

Schalke 04 hadert mit dem Fußball-Gott

Von Holger Schmidt, dpa

Gelsenkirchen (dpa) - Ohne Drama geht es nicht auf Schalke! Nach der emotionalen Berg- und Talfahrt ohne Happy End hat in Gelsenkirchen das Pathos wieder Hochkonjunktur.

Kapitän Benedikt Höwedes haderte nach dem Europa-League-Aus mit dem Fußball-Gott, Torhüter Ralf Fährmann philosophierte über das Schalke-Herz und Torschütze Daniel Caligiuri hatte trotz des Scheiterns «von der ersten bis zur letzten Minute eine Gänsehaut».

Eine Spur kleiner geht es wohl nicht beim einstigen «Meister der Herzen». Und es war ja auch in der Tat eine denkwürdige Europacup-Nacht, die quasi in 120 Minuten das Auf und Ab dieser Saison wie in einem Spielfilm zusammenfasste. Am Ende war der 3:2 (2:0,0:0)-Sieg gegen Ajax Amsterdam nach Verlängerung eine der bittersten Niederlagen der Vereinsgeschichte.

«Amsterdam ist der glückliche Verlierer», meinte Höwedes. Er habe viele hängende Köpfe in der Kabine gesehen, erzählte der Kapitän: «Das tut so weh, das tut wirklich so weh. Wir sind alles Menschen und haben auch Gefühle.»

Das 0:2 aus dem unglaublich schlechten Hinspiel hatten die Königsblauen durch den trotz einer Gehirnerschütterung heldenhaft kämpfenden Leon Goretzka (53.) und Guido Burgstaller (56.) aufgeholt. Caliguiri (101.) schoss in Überzahl nach Gelb-Rot für Joël Veltman (80.) das vermeintliche Tor ins Halbfinale. Nick Viergever (111.) und der frühere U21-Nationalspieler Amin Younes (120.) ließen alle Träume platzen.

«110 Minuten haben wir einen Freudentaumel sondergleichen erlebt. Manchmal ist der Fußballgott nicht gerecht», meinte Höwedes. Und der wieder starke Torhüter Fährmann sagte: «Bitterer geht es nicht. Die Mannschaft ist am Boden zerstört. Aber wir haben gezeigt, was das Schalker Herz zu leisten im Stande ist.» Klaas-Jan Huntelaar erklärte nach seinem letzten Europacup-Spiel für Schalke gegen seinen früheren (und wohl auch künftigen Verein): «Das war ein fürchterliches Ende eines tollen Spiels. Ich bin ganz bitter enttäuscht.»

Dem eigentlich redseligen Manager Christian Heidel hatte es am Donnerstag gar die Sprache verschlagen. Am Freitag nannte er das Ausscheiden «tragisch». Wichtig sei es nun, «die Köpfe wieder hochzubekommen».

Immerhin gelang der Mannschaft die Versöhnung mit den Fans, zumindest auf Zeit. Die feuerten das Team nach anfänglicher Skepsis bedingungslos an und applaudierten ihm nach kurzer Schockstarre nach dem Schlusspfiff. Das ultimative Lob kam dann vom Kapitän der legendären UEFA-Cup-Sieger von 1997. «Die Spieler stehen nicht als Verlierer da, sondern als echte Eurofighter», sagte Olaf Thon. «Sie haben gekämpft bis zum Schluss und sind absolut über ihre Schmerzgrenze gegangen. Das hat gezeigt, dass der Geist der Eurofighter in ihnen steckt.»

Die Generation von 1997 bleibe zwar die einzig wahre Eurofighter-Generation, weil sie den Titel gewonnen habe. «Aber sie kommen näher», sagte Thon, der heute als Repräsentant des Vereins arbeitet: «Es ist nur eine Frage der Zeit. Irgendwann wird es so weit sein.»

Thon fordert nun aber einen Endspurt in der Fußball-Bundesliga. «Schalke muss sich darauf konzentrieren, möglichst noch Sechster oder Siebter zu werden, um wieder international dabei zu sein», erklärte er: «Denn dort spielt die Musik, dort finden die Feiertage statt.»

Höwedes fiel der Blick auf den Liga-Alltag zumindest am Donnerstag schwer. «In der Liga sind wir weit weg von dem, was wir uns vorgenommen haben», sagte er: «Die Europa League war für uns eine Riesenchance, die Saison vergessen zu machen oder zu einem guten Ende zu bringen.»

Sie vergaben sie auf gleichsam unnötige wie unglückliche Art und Weise. Typisch Schalke eben.



Thema des Tages

Südkoreas Präsident trifft überraschend Kim Jong Un

Seoul/Panmunjom (dpa) - Nach ihrem Gipfeltreffen im April haben sich der südkoreanische Präsident Moon Jae In und der nordkoreanische Machthaber Kim Jong Un am Samstag überraschend zum zweiten Mal getroffen. Das teilte das Präsidialamt in Seoul mit. »weiter
Lesen Sie auch:
  • Kohl stufte «blühende Landschaften» als Fehler ein
  • Prognose: Iren sagen Ja zur Lockerung des Abtreibungsverbots
  • Klopp und Liverpool wollen Madrid entthronen
  • Computer

    Schlupflöcher beim Online-Handel sollen geschlossen werden

    Goslar (dpa) - Online-Plattformen wie Amazon und Ebay sollen nach dem Willen der Länder-Finanzminister künftig haften, wenn ihre Händler keine Umsatzsteuer zahlen. »weiter
    Lesen Sie auch:
  • Amazon-Lautsprecher verschickt aufgenommenes Gespräch
  • Facebook bringt seine Jobbörse nach Deutschland
  • Facebook-Datenskandal: Europäer womöglich nicht betroffen


  • Wissenschaft

    Roboterfrau «Elenoide»: Zwischen Faszination und Grusel

    Darmstadt (dpa) - «Elenoide» ist 1,70 Meter groß und hat Kleidergröße 36. Ihre schulterlangen, mittelblonden Haare sind zum Teil echt. Sie kann vor allem ihr Gesicht bewegen, aber auch ihre Arme, Hände und Finger - sowie ein wenig die Hüfte. »weiter
    Lesen Sie auch:
  • Inzwischen neun Ebola-Tote im Kongo
  • Zahnärzte warnen vor neuer Volkskrankheit «Kreidezähne»
  • Knallheiße Autos sind schon nach einer Stunde Hitzefallen
  • Börse
    DAX
    Chart
    DAX 12.936,50 +0,63%
    TecDAX 2.822,75 +0,79%
    EUR/USD 1,1651 -0,58%

    Quelle: Sponsor Deutsche Bank / Realtime Indikation