Album der Woche
18.04.2016

Songwriter Ben Watt weiter im Kreativ-Hoch

Von Werner Herpell, dpa

Berlin (dpa) - Sein Comeback als Singer-Songwriter, mit dem gerade mal zweiten Soloalbum nach 31-jähriger Unterbrechung, war für viele einer der Höhepunkte des Musikjahres 2014. Nun legt Ben Watt ebenso eindrucksvoll nach.

«Fever Dream» (Unmade Road/Caroline) ist eine würdige Fortsetzung des Weges, den der Brite zuletzt mit «Hendra» eingeschlagen hatte. Wieder lässt er sich von Bernard Butler an der E-Gitarre begleiten (und was der ehemalige Suede-Mann ohne jede Protzerei an den sechs Saiten veranstaltet, ist erneut ehrfurchtgebietend). Hinzu kommen Gäste wie die Sänger Marissa Nadler und M.C. Taylor, der legendäre Drummer Martin Ditcham und Bassist Rex Horen. Mit einer solchen Hochkaräterbesetzung kann nur wenig schiefgehen.

Außer es mangelt an guten Songs - und das passiert einem Ben Watt natürlich nicht. Seit Anfang der 80er Jahre schrieb er zusammen mit Freundin respektive Ehefrau Tracey Thorn herrliche Lieder für das gemeinsame Popduo Everything But The Girl, widmete sich dann als DJ und Kopf des Electronic-Labels Buzzin' Fly der Dance-Music. Sogar in der Schriftstellerei (mit dem Eltern-Porträt «Romany and Tom») zeigte Watt beachtliche Qualitäten.

Nun also «Fever Dream». Das Album zeigt in zehn fast durchweg ruhigen, melancholischen Stücken, welche Reife Watt als Songschreiber längst erreicht hat - und welche Klasse mittlerweile auch als Sänger. Das war zu Zeiten von Everything But The Girl nie seine Stärke, er wählte damals bewusst die Rolle des Mannes hinter Tracey Thorn.

Die feinen Folk-, Jazz- und Bossa-Melodien neuer Songs wie «Gradually», «Between Two Fires», «Faces Of My Friends» oder «Running With The Front Runners» gestatten dem 53-Jährigen nun einen lässig-unaufgeregten Gesangsstil, der zu seiner nicht allzu voluminösen, aber äußerst angenehmen Stimme passt. «Schnappschüsse» wollte er in seinen Texten präsentieren, über die Veränderungen und das Überdauern der Liebe. «Einige wurden dunkler und betrübter, andere weicher und hoffnungsvoller.»

Mit der wunderschönen, von Marissa Nadlers Gothic-Folk-Stimme untermalten Akustikballade «New Year Of Grace» klingt eine Platte aus, die Ben Watts Kreativ-Hoch als Singer-Songwriter bestätigt. Kein Zweifel: Seine weltklugen und zugleich sinnsuchenden Popsongs dürften auch am Ende dieses Jahres wieder in mancher Bestenliste auftauchen.



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    Quelle: Sponsor Deutsche Bank / Realtime Indikation