Album der Woche
14.04.2016

Wieder ausgegraben: Fela Kuti And His Koola Lobitos

Von Werner Voß, dpa

Berlin (dpa) - Fela Ransome Kuti, der 1997 verstorbene Afrobeat-Star aus Nigeria, feiert fröhlich Urständ: Bisher kaum zugängliche Aufnahmen vom Beginn seiner Karriere mit Highlife-Jazz und Afro-Soul aus den Jahren 1963 bis 1969 liegen nun auf einem Album mit drei CDs vor.

Chemieprofessor Toshiya Endo, ein Liebhaber und Sammler afrikanischer Musik, hatte das Material der frühen Jahre von Fela Ransome Kuti und seiner Band zusammengesucht, das ab 2005 zunächst nur bei einem japanischen Label zu haben war. Dieses besondere Album wird nun über Knitting Factory Records zugänglich gemacht.

Auf CD 1 stehen die Singles im Fokus, bei CD 2 das erste für EMI eingespielte Album und CD 3 präsentiert Live-Mitschnitte und andere Aufnahmen. Da es keine Masterbänder mehr gibt, musste für die Sammlung Originalvinyl in gutem Zustand gefunden werden. Auch war vieles außer Fela-Enthusiasten niemandem bekannt und wurde nur auf LoFi-Tapes in mieser Qualität immer wieder kopiert und weitergegeben.

Das Wenige aus Felas Highlife-Zeit aber zeigt ein faszinierendes Kapitel der Entwicklung eines genialen Musikers und gibt Einblick in seine Experimentierlust mit neuen Stilen und Kombinationen. Sein Weg von Highlife, ein Stil der von Ghana aus ganz Westafrika eroberte, bis hin zu Soul deutet schon an, was später zu Afrobeat werden würde.

Fela Kuti wurde 1938 als Olufela Olusegun Oludotun Ransome-Kuti geboren. Den «Sklavennamen» legte er später ab und nannte sich Anikulapo. Mit Zwanzig ging er zum Studium nach London, wo er auch seine erste Band gründete. Bei einem Aufenthalt in den USA wurde er nicht nur musikalisch, sondern auch von den Ideen schwarzer Bürgerrechtler beeinflusst.

Der Musiker sah sich als antikolonialistischer Pan-Afrikaner und nutzte zurück in Nigeria seine Popularität, um die Missstände in seiner Heimat mit kritischen Songs, die von mitreißenden Rhythmen begleitet wurden, anzuprangern. Der unbequeme Star saß wegen seiner Aktivitäten im Gefängnis und musste auch schon mal nach Ghana ins Exil. Ereignisse von 1977 wurden sogar Thema des 2008 recht erfolgreichen Broadway-Musicals «Fela!».

Es gab aber auch eine obskure Seite. Kritiker bezeichneten ihn als Demagogen, Sexisten und Fundamentalisten, weil Kuti Geisterglauben anhing, Polygamie propagierte, Homosexualität verteufelte und Kondome als unnatürlich ablehnte. Gestorben ist der Bruder zweier studierter Mediziner dann im Alter von 58 Jahren an den Folgen von Aids, einer Krankheit deren Existenz er leugnete. Über eine Million Menschen kam in Lagos bei seiner Beerdigung zusammen.



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    Quelle: Sponsor Deutsche Bank / Realtime Indikation