Album der Woche
13.04.2016

Musikalische Vielfalt: Neuer Sampler von Kontra-Musik

Von Christian Sundqvist, dpa

Hamburg (dpa) - Das schwedisches Elektronik-Label Kontra-Musik feiert sein zehnjähriges Bestehen mit der neuen Compilation «X», die im April als dreifaches Vinyl und im Mai dann auch digital erscheint.

Kontra-Musik wurde 2006 von Label-Boss und Clubbetreiber Ulf Eriksson im schwedischen Malmö gegründet. Die erste Veröffentlichung mit der Katalognummer KM001 steuerte der Künstler Agaric mit der EP «Surfacing» bei, die mit ihren klackernden, schräg klingenden und gegen den Strich gebürsteten Minimal-Sounds bereits erahnen ließ, dass dieses Label nicht primär den massenkompatiblen Wohlklang im Sinn hatte. Eine Dekade später erscheint nun unter der Katalognummer KM043 die elf Tracks umfassende Compilation «X».

Im Vergleich zu dem vor einem halben Jahr auf Kontra-Musik erschienenen Sampler «The Dance» mit seinen unveröffentlichten und im Rahmen eines DJ-Sets aufeinander abgestimmten Titeln sind alle auf «X» enthaltenen Stücke bereits erschienen. Ulf Eriksson ging es bei Zusammenstellung der Tracks dabei nicht nur um die besondere Qualität der ausgewählten Stücke, sondern auch darum, die musikalische Vielfalt des Labels zu beleuchten. Das ist ihm in jeder Hinsicht gelungen. Der aktuelle Sampler ist eine sehr treffende und äußerst heterogen geratene Werkschau, die die Größe des musikalischen Universums, das sich das Label im Laufe der Jahre geschaffen hat, erahnen lässt.

Los geht es auf «X» mit den Durian Brothers und ihrem schön benannten Track «Weggeputscht» aus dem Jahr 2014, dessen zu Beginn stolpernder und humpelnder Rhythmus sich im Laufe der Spielzeit unerwartet effizient und intensiv eingroovt. Der gut drei Jahre alte, hypnotische Nachfolgetrack «202 202 303 303 606» von TM404 sorgt im Anschluss für die notwendige Dosis Acid-Sound, ist aber wie auch «Weggeputscht» nicht gerade zwingend für die Tanzfläche geeignet.

Für die richtige Bewegung sorgt in der Folge erstmals Mokiras «Time Track» im Silent Servant Remix, der klar macht, was sich mit treibendem und nur minimal variiertem Dub Techno so alles in einem Club auf dem Tanzflur veranstalten lässt. Zu den weiteren bewegenden Highlights zählen der ebenfalls ordentlich nach vorne schiebende Shedsdeepanddubbydub-Remix von Luke Hess «Believe and Receive» sowie das bei nur 106 Beats pro Minute mitreißende, nie stillstehende, irgendwie dreckig klingende und wie besessen groovende «666» von Frak.

Die leicht wahnsinnige Seite von Kontra-Musik zeigt dann noch mal der asthmatisch und klaustrophobisch klingende und vor sich hinstolpernde Track «Workin' It Out» des aus Detroit stammenden Produzenten Jason Fine. Die beiden in Berlin lebenden Künstler Jonsson/Alter - deren auf Vinyl sehr gesuchten «Mod Mixes» übrigens immer noch äußerst frisch und unverbraucht klingen - steuern anschließend auf «Brevet Hem» mit einem schön oldschoolig klingenden Elektrobass wunderbar harmonische und seelenvolle Tanzmusik bei, die das Malmöer Label neben den vielen musikalischen Merkwürdigkeiten eben auch veröffentlicht.

Kontra-Musik zeigt mit seiner jüngsten Compilation äußerst unterhaltsam und vielschichtig, für welch große musikalische Bandbreite dieses seit zehn Jahren veröffentlichende Label tatsächlich steht. Die Werkschau «X» ist dabei ein perfekter Einstieg in das Kontra-Musik-Universum aber auch in die unendliche Vielfalt elektronischer Musik, die entsteht, wenn ein Label den Künstlern ihre kreative Freiheit lässt, anstatt primär nur an die Gefälligkeit und das Verkaufspotential von musikalischen Produkten zu denken.



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    Quelle: Sponsor Deutsche Bank / Realtime Indikation