Album der Woche
12.04.2016

Nach zehn Jahren neues Album von All Saints

Von Sebastian Fischer, dpa

Hamburg (dpa) - «All Saints werden nie wieder zusammenkommen.» Einige Zeit ist es her, dass Bandmitglied Melanie Blatt in einem Interview das kleine Flämmchen Hoffnung erstickte, sie und ihre drei Kolleginnen könnten nach den Erfolgen und dem späteren Bruch irgendwann wieder auferstehen.

Doch gilt wohl auch hier: Sag niemals nie. Denn jetzt steht mit «Red Flag» nach zehn Jahren Schaffenspause wieder ein Album in den Läden.

All Saints waren um die Jahrtausendwende eine der angesagtesten Girlgroups und galten als elegante, unnahbare und streitlustigere Alternative zu den Spice Girls und deren Kaugummi-Pop. Zwischen 1997 und 2000 brachten Nicole und Natalie Appleton, Shaznay Lewis und Blatt fünf Singles an die britische Chartsspitze - etwa «Never Ever» und «Black Coffee». Mit dem sanft-ansteckenden Klassiker «Pure Shores» seien sie, schrieb damals ein Kritiker, «die statuenhaften Pop-Göttinnen geworden, die sie immer vorgaben zu sein».

Doch dann gab es den Vorfall mit der Jacke. Zwei der Damen wollten für einen Fototermin dasselbe Kleidungsstück tragen. Das war der letzte Funke. «So wie ich damals drauf war», sagt später eine der Kontrahentinnen, «so wie wir drauf waren: Keine Chance, dass sie diese beknackte Jacke bekommt!» Mit All Saints war 2001 dann das erste Mal Schluss. Dramatisches Ende einer dramatischen Band. Ein Comeback-Versuch scheiterte fünf Jahre später mit einer nur wenig beachteten Platte.

«Wir kamen nicht mehr miteinander klar und hassten uns irgendwie», bekannten die vier kürzlich rückblickend in einer britischen TV-Show - und lachten darüber. Schnee von gestern also. Im Februar warfen All Saints nach einem Jahrzehnt Pause mit der Mid-Tempo-Synthie-Nummer «One Strike» wieder eine Single auf den Markt. Der Track handelt von der gescheiterten Ehe Nicole Appletons mit Ex-Oasis-Rüpel Liam Gallagher. «Mit einem Streich entfacht meine Welt ein Feuer», heißt es darin. Und tatsächlich ist dieses Über-Stück auf «Red Flag» unnahbar unterkühlter Glam-Pop, der aus der Zeit gefallen scheint - und beinah nahtlos an die Magie von «Pure Shores» anknüpft.

Fantastisch schlagen auch die Ballade «One Woman Man» und die Gleichberechtigungs-Hymne «This Is War» hinterher. Dass unter den 12 Songs einige gegenüber den großartigen Singles abflachen, ist zwar schade, aber verkraftbar. Im Großen und Ganzen nämlich haben All Saints noch ziemlichen Zunder unterm Pop-Kessel.

«In unserem Alter versteht man einfach, dass das Leben nicht perfekt ist», sagt die Band im Interview mit dem britischen «Guardian». Die vier sind mittlerweile alle Mütter und haben die 40 hinter sich gelassen. Und wenn sie mit «Red Flag» nicht an ihren früheren Erfolg anknüpfen können? «Wir alle lieben das Album, also hat es schonmal funktioniert», sagen sie. «Was jetzt noch kommt, ist ein willkommener, freudiger Bonus.»



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    Quelle: Sponsor Deutsche Bank / Realtime Indikation