Album der Woche
29.03.2016

Joachim Kühn: Ein Jazz-Pionier in Topform

Von Werner Herpell, dpa

Berlin (dpa) - Was ein «Jungspund» wie Brad Mehldau (45) kann, das kann ich schon lange: Mag sein, dass Klavier-Jazz-Pionier Joachim Kühn (72) so etwas gedacht hat, als er sich an sein neues Trio-Album «Beauty & Truth» machte. Das Ergebnis gibt ihm Recht.

Denn wie der US-Amerikaner Mehldau schafft es Kühn, erstklassige eigene Stücke mit wunderbar stimmigen Interpretationen von Fremdmaterial aus verschiedenen Genres zu verknüpfen. So beginnt die auf dem Label ACT erschienene Platte mit dem hauchzart hingetupften Titelsong aus der Feder des legendären Ornette Coleman, den der Deutsche einst selbst im Konzert begleiten durfte.

Anschließend wird das bei den Doors ultra-düstere «The End» in einen lässig-beschwingten Jazz-Kontext überführt, mit feinen Kühn-Soli, dem sonoren Bass von Chris Jennings und dem sensiblen Schlagwerk von Eric Schaefer. Später nimmt sich das Joachim Kühn New Trio auch noch «Riders On The Storm» von The Doors vor.

«Because of Mouloud» ist die erste Eigenkomposition der Platte - und nicht die letzte, die den Mann am Piano in Topform (und ausgesprochen zugänglich) präsentiert. Als größte Überraschung erweist sich «Sleep On It», ein Jazz-Reggae-Hybrid, der auf einem Track von Stand High Patrol basiert.

Kühn lässt es sich - wie besagter Mehldau - nicht nehmen, die Vorlagen einerseits pfleglich zu behandeln, sie andererseits aber mit eigener Inspiration, Spielfreude und Groove aufzuladen. Auch George Gershwins eigentlich schon zu Tode gecovertes «Summertime» oder das abschließende «Blues For Pablo» von Gil Evans erstrahlen dadurch ganz neu. Liebevoll widmet sich der Altmeister auch zwei Stücken des polnischen Komponisten Krzysztof Komeda, darunter «Sleep Safe And Warm» aus Roman Polanskis Horror-Klassiker «Rosemary's Baby».

«Starke Melodien, die man gestalten kann» hat sich Joachim Kühn, einer der besten deutschen Jazz-Musiker, für sein «New Trio»-Album ausgesucht. Und welche Gestaltungskraft dieser Mann noch in sich hat, das belegt «Beauty & Truth» in knapp 50 Minuten eindrucksvoll.

Konzerte: 22.04. Ilmenau, Jazzfestival (Trio) - 23.04. Freiberg, Theater (Trio) - 10.06. Peitz, Jazzwerkstatt (solo) - 26.06. Timmendorfer Strand, Jazzbaltica (Trio) - 03.07. Waidhofen/Österreich, Festival (Trio) - 02.09. Neustadt a. Rübenberge, Schloss Landestrost (solo) - 02.10. Leipzig, Kongresshalle (solo) - 09.11. Köln, Philharmonie (solo) - 13.12. Berlin, Wintergarten (solo)



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    Quelle: Sponsor Deutsche Bank / Realtime Indikation