Album der Woche
26.03.2016

Mehr als okay: Neuer Elektronik-Sampler auf Mule Musiq

Von Christian Sundqvist, dpa

Hamburg (dpa) - Viel treffender kann der Titel einer Musikveröffentlichung eigentlich nicht gewählt werden: Die Sampler-Reihe «I'm Starting To Feel Okay» erscheint auf dem japanischen Elektronik Label Mule Musiq bereits zum siebten Mal und macht dabei mit seinen 22 Tracks exakt das, was der Titel verspricht.

Der musikalische Bogen wird dabei, wie schon bei den vorherigen Veröffentlichungen, äußerst weit von Disco zu Cosmic über House bis hin zu Techno gespannt. Dass das nicht beliebig oder unzusammenhängend klingt, liegt an der wie üblich über jeden Zweifel erhabenen Trackauswahl von Labelchef Toshiya Kawasaki, der auch für die 2016er-Ausgabe ein gutes Gleichgewicht zwischen den einzelnen Genres und der Reihenfolge der Tracks schafft.

Der diesjährig Sampler besteht dabei aus zwei CDs mit jeweils elf Tracks, von denen die meisten bisher unveröffentlicht sind. Diese neuen Stücke finden sich dann auch vollständig auf der parallel erscheinenden Doppel-Vinyl-Ausgabe wieder. Bei den ausgewählten Künstlern sind alte Mule-Musiq-Bekannte wie Fred P oder Kuniyuki zu finden, sowie einige frische und vielversprechende neue Musiker wie zum Beispiel Snacks oder Nicolai Toma.

Zu den alten Bekannten zählt auch Prins Thomas, der auf der ersten CD mit dem zweiten Track «Rainbow Disco» ein in seiner Freundlickeit schon fast «einfältiges» vor sich hintreibendes, aber hervorragendes Stück Musik abliefert. Der dritte Track «Mother Nature» von Strategy verfolgt mit seinem Reggae-Vibe einen ähnlichen und ebenfalls komplett unbekümmerten Ansatz. Weitere unbedingt hörenswerte Beiträge auf der ersten CD kommen von Lord Of The Isles, Musk und Rubini, der mit «Still Clock» einen für diese Reihe regelrecht düsteren Ton anschlägt.

Auf der zweiten CD, die bis auf eine Ausnahme nur unveröffentlichtes Material enthält, liefert Bell Towers mit «Midday Theme» ein weitgehend beatloses und, wie kann es anders sein, äußerst relaxtes Intro ab. Richtig Freude für die Anhänger von Tanzmusik jenseits von Disco und Cosmic kommt dann ab dem sechsten Track auf. Frankey & Sandrino legen mit «Hubble» einen für diesen Sampler schon fast hymnischen, viel Spannung erzeugenden und für die späten Tanzflächenstunden geeigneten Track hin, der auch gut in das Portfolio der Labels Cocoon oder SoHaSo gepasst hätte.

Mit Track Nummer sieben folgt dann eine schön verspielte Kollaboration von Aril Brikha und Sebastian Mullaert, bei denen besonders der Einfluss von Sebastian ab den ersten Sekunden deutlich herauszuhören ist. Snacks liefert mit «Order To The Senses» einem echten Frühlingshit ab, der sich mit seinen wunderbaren Vocals auch gut neben den jüngeren Veröffentlichungen von Weval und The Silent Ones auf Kompakt machen würde. Und an den hervorragenden Produktionen von Fort Romeau mit «Youre Not Home» und Oskar Offermanns «Survial» führt in der Folge auch kein Weg vorbei.

Seit der ersten Veröffentlichung von Dublee aus dem Jahr 2004 beweist Labelchef Toshiya Kawasaki eine sichere Hand bei seinen musikalischen Entscheidungen und baut damit auch auf diesem Sampler ganz nebenbei Brücken zwischen den nicht immer unbedingt kompatiblen Musikgenres. «I'm Starting To Feel Okay» ist dabei nicht bloß der beliebig gewählte Titel einer Compilation, sondern ein Versprechen an den Hörer, das diese auf einem der besten japanischen Musiklabels erscheinende Sampler-Reihe auch in diesem Jahr ohne Mühe einlöst.



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    Quelle: Sponsor Deutsche Bank / Realtime Indikation