Album der Woche
23.03.2016

Grant-Lee Phillips: Weit mehr als nur «Stadt-Barde»

Von Werner Herpell, dpa

Berlin (dpa) - Als Stadt-Barde des kleinen US-Kaffs Stars Hollow in der TV-Serie «Gilmore Girls» erlangte Grant-Lee Phillips eine Bekanntheit, die er als Rockmusiker nie hatte. Eigentlich ungerecht, denn der Mann ist ein brillanter Sänger und Songschreiber.

Das beweist nun wieder Phillips' achtes Soloalbum «The Narrows» (Yep Roc/H'Art), ein funkelndes Americana-Juwel, das auch einem Bruce Springsteen, Tom Petty oder John Mellencamp gut zu Gesicht stände. Der 52-jährige Kalifornier mit Cherokee-Wurzeln verarbeitet darauf unter anderem seinen Familien-Umzug von Los Angeles («Eine Wüste, in der man kaum Wurzeln schlagen kann») nach Tennessee.

Im rockigen Opener «Tennessee Rain» feiert er die veränderten Lebensumstände mit Regen und Sümpfen, in der zarten Folk-Ballade «Smoke And Sparks» wird Phillips besinnlich, in «Moccasin Creek» lässt er mit Pedal-Steel-Gitarre und Fiddle Country-Einflüsse einfließen.

«Cry Cry» ist dann wieder ein lässig dahinrollender Folkrock-Song mit Banjo und diversen Gitarren-Schmeicheleien, bei dem Phillips seine ganze sängerische Klasse abruft. Diese Performance - später auch «Rolling Pin» - erinnert daran, dass er schon in der Post-Grunge-Ära der 90er Jahre mit seiner damaligen Band Grant Lee Buffalo für eine besondere Feinfühligkeit bei größtmöglicher Dynamik stand. Die vier Platten dieser Zeit - besonders der krönende Abschluss «Jubilee», eines der besten Folkrock-Alben jener Jahre - sind auch heute noch äußerst hörenswert.

Die Solo-Karriere von Grant-Lee Phillips brachte dann zwar nicht mehr nur Highlights hervor (etwa die halbgare Cover-Sammlung «Nineteeneighties»), aber doch zumindest solide Kost. Verglichen mit dem Vorgänger «Walking In The Green Corn» (2012) ist das bei Dan Auerbach (The Black Keys, The Arcs) aufgenommene neue Album nun eine bemerkenswerte Steigerung.

Wenn man in diesem Frühjahr eine Platte hören möchte, zu der man auf der Terrasse sitzend gern ein Bier aus der Flasche trinkt, dann sollte man zum so rustikalen wie sensiblen «The Narrows» greifen.

Konzerte: 22.4. Wien, B72; 25.4. Berlin, Monarch



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    Quelle: Sponsor Deutsche Bank / Realtime Indikation