Album der Woche
21.03.2016

Iggy Pop wollte raus aus der Komfortzone

Von Jenny Tobien, dpa

Austin (dpa) - «Davids Freundschaft war das Licht meines Lebens», mit diesen rührenden Worten verabschiedete sich Iggy Pop auf Twitter von seinem Freund David Bowie.

Den «Godfather of Punk» und die Popikone Bowie, der im Januar starb, verband eine lange Freundschaft. In den 1970er Jahren verbrachten sie eine prägende Zeit in West-Berlin, teilten sich zwischenzeitlich eine Wohnung in Schöneberg. Jetzt veröffentlicht Iggy Pop sein 17. Soloalbum «Post Pop Depression», das musikalisch und auch textlich an die Berliner Phase erinnert.

Klingt nach Stillstand oder gar Rückentwicklung - ist es aber keineswegs. Für das Album versammelte der 68-Jährige im vergangenen Jahr spannende Musiker um sich, allen voran den fast 30 Jahre jüngeren Queens-Of-The-Stone-Age-Sänger Josh Homme. Und er sagt selbst: «Zahlreiche Typen in meinem Alter arbeiten gar nicht mehr außerhalb ihrer Komfortzone. Denn wenn Du erstmal eine Legende bist, willst Du nicht mehr herausgefordert werden.»

Dass Iggy Pop - eigentlich Jim Osterberg - eine Legende ist, wird kaum jemand bezweifeln. Vor bald 50 Jahren rief der US-Amerikaner die Band The Stooges ins Leben, die den Sound des Punkrock begründete. Er überlebte Alkohol- und Drogenabstürze, zerstörte Hotelzimmer und gilt als Erfinder des Stagedivings, des wilden Springens von der Bühne ins Publikum. 1977 ging er für zwei Jahre mit Bowie nach Berlin, wo seine Meisteralben «The Idiot» und «Lust For Life» - mit dem großen Hit «The Passenger» - entstanden.

Auch wenn Iggy Pop dort womöglich seine kreativste Zeit hatte, der Exzess blieb nicht aus. «Von einem auf den anderen Tag war Berlin mit Drogen überflutet», sagte er im Interview des «Zeit-Magazins». «Machen wir es kurz: Ich kam kerngesund nach Berlin und ging als Wrack.» Sein Freund Bowie habe aber so gut wie möglich auf ihn geachtet. «Das wusste ich auch sehr zu schätzen.»

Den damaligen Zeiten ist auf dem neuen Album der Song «German Days» gewidmet. Der «Schnellimbiss» wird darin ebenso besungen wie der «glittering champagne on ice». Musikalisch erinnert vor allem «Sunday» an die Berliner Jahre, das zusammen mit «Gardenia» zu den Höhepunkten von «Pop Post Depression» zählt. Insgesamt reihen sich die neun Songs stimmig in Iggy Pops Gesamtwerk ein. Gleichzeitig wird das Album durch den Einfluss des jüngeren Hommes positiv geprägt. Oder um es anders zu sagen: «Post Pop Depression» kommt im besten Sinne zeitgenössisch und zugleich zeitlos daher.

Beim South By Southwest Festival in Austin wird das neue Werk diese Woche live präsentiert. Im Mai stehen Konzerte in Berlin, Hamburg und München auf dem Tourplan. Drogenexzesse wird es dann keine mehr geben. Iggy Pop ist nach eigenen Angaben seit dem Millenniumsbeginn clean.

Dennoch sind interessante, energiegeladene Shows zu erwarten. Und: es könnte die letzte Gelegenheit sein, den drahtigen, ledrigen Punk-Pionier live zu sehen. So erklärte er: «Rock'n'Roll ist in meinem Alter einfach gesundheitsschädlich. Falls ich diese Tour überlebe, werden Sie mich in den nächsten Jahren noch auf ein paar Festivals sehen. Aber mehr nicht.»



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    Quelle: Sponsor Deutsche Bank / Realtime Indikation