Album der Woche
18.03.2016

Indiefolk-Schwelgerei mit Freunden: M. Ward

Von Werner Herpell, dpa

Berlin (dpa) - Als männliche Hälfte des erfolgreichen US-Popduos She & Him (mit der kulleräugigen Schauspielerin Zooey Deschanel) hat Matt Ward seine Schäfchen längst im Trockenen. Musikalisch interessanter wird es aber bei seinen Soloalben als M. Ward.

Dabei ist auch «More Rain» (Bella Union/Pias/Cooperative) wieder kein puristisches Werk aus dem stillen Kämmerlein. Dazu hat Ward als begehrter Produzent (zuletzt für Soul-Diva Mavis Staples) und Studiopartner (etwa im Supergroup-Projekt Monsters Of Folk) viel zu viele gute Musikerfreunde. Einige Bewunderer wie Peter Buck (ex-R.E.M.), Neko Case oder k.d. lang sind auf den neuen Songs zu hören, die das achte Studioalbum des kalifornischen Singer-Songwriters, Gitarristen und Pianisten bilden.

Mit «Hold Time» (2009) - seinem bisherigen Meisterwerk, an das «More Rain» atmosphärisch und auch qualitativ anknüpft - hatte Ward erstmals vordere Ränge der US-Billboard-Charts erreicht. Der Nachfolger «A Wasteland Companion» (2012) war sogar noch etwas erfolgreicher, ganz abgesehen von den kommerziellen Triumphen mit She & Him. Die Mixtur aus sepiagetöntem Indiefolk, Fifties-Pop und Rock 'n' Roll, gekrönt durch Wards betörend raunende Stimme, ist nicht neu. Aber selten hat der Mann so viele herausragende Songs auf einer Platte versammelt wie diesmal.

Vor allem die nostalgischen, streichergesäumten Balladen wie «Pirate Dial», «I'm Listening» oder «Slow Driving Man» gehören zum Schönsten, was M. Ward in seiner knapp 20-jährigen Karriere bisher abgeliefert hat. Aber auch rockigere Ausflüge wie «Time Won't Wait», «Confession» oder das Mariachi-Bläser-Stück «Temptation» glücken ihm ohne Fehltritt. 

«You're So Good To Me» und «Little Baby» mit zarten Doowop-Chören sind einfach nur ultra-charmant. «Phenomenon» entpuppt sich als völlig unpeinliche Country-Schwelgerei mit Steel-Gitarre, Peter Bucks Mandoline und Wards kunstvollem Fingerpicking auf der Akustischen. Der abschließende Gospel-Folk «I'm Going Higher» passt vom Songtitel her punktgenau: Matt Ward entlässt den Hörer in Hochstimmung. Damit geht ein prächtiges, reifes und zugleich ungeheuer frisches Singer-Songwriter-Album zu Ende.



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