Album der Woche
04.07.2012

Jaill in der Beziehungsfalle

Jaill aben gut lachen Foto: Cole Juntila

Hamburg (dpa) - Nachdenklich und ungewohnt verhalten präsentieren sich Jaill auf ihrem dritten Album «Traps». Songschreiber Vincent Kircher verpackt den Abgesang auf seine letzte, unglücklich verlaufene Liebesbeziehung in schmerzhaft-schönen Jangle-Pop.

Mit ihrer zweiten Platte «That's How We Burn» hat die Band aus Milwaukee 2010 viele überrascht. Ein hochenergetischer Power-Pop, wie man ihn so schon lange nicht mehr gehört hatte, dominierte die Songs ihrer ersten Veröffentlichung auf dem Erfolgslabel Sub Pop. Jaill konnten auch live glänzen. Der nasale Gesang von Kircher, oft verglichen mit Gordon Gano von den Violent Femmes, der berühmtesten Band aus Milwaukee, wurde zu einem Markenzeichen von Jaill, ebenso wie die melodische Surf-Gitarre und die nach vorne preschende Rhythmussektion. Obwohl Jaill auf alte Spieltechniken zurückgreifen, klingen sie nicht einfach retro. Hier geht eine Band mit Stil zu Werke, die sich mit Leichtigkeit von anderen abhebt.

Auf der neuen Platte «Traps» schalten Jaill nun einen Gang runter. Die eindringlichen und teils bitteren Texte, die Kircher verfasst hat, würden auch kaum zu den eingängigen Melodien von «That's How We Burn» passen. Die aktuellen Songs wurden im muffigen Keller von Kirchers Haus aufgenommen, das er bezeichnenderweise «House of Doom» getauft hat. Aber ganz so gruselig wird es dann nicht. Nicolas Vernhes hat die Stücke nachträglich noch einmal klanglich veredelt. Inhaltlich laufen die Songzeilen den gefälligen Harmonien entgegen, doch während die vom Abschied geprägten Strophen den Hörer bisweilen runterziehen, richten die geschmeidigen Gitarrenriffs ihn wieder auf.

«Horrible Things (Make Pretty Songs)», so der Titel eines der besten Songs von «Traps», ist kurz gefasst das Konzept, das diesem Album zugrunde liegt. Die Akkustikgitarre kommt häufiger zum Einsatz, das Tempo wird gedrosselt, und dadurch bekommen die Stücke eine sehr stimmungsvolle Note, mehr Drama und mehr Soul. Mit Liebe zum Detail hat die Band auch an ihrem Sound gefeilt. Die Surf-Gitarre schimmert immer wieder durch, gelegentlich durch eine Orgel verstärkt. Die große Stärke von Jaill bleiben aber die Uptempo-Nummern: je kürzer und knackiger, desto besser. Das gern als schwierig angesehene dritte Album zeigt diese Gruppe am künstlerischen Scheideweg. Wir dürfen gespannt sein, wohin es sie führt.



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    Quelle: Deutsche Bank / Realtime Indikation