Album der Woche
03.07.2012

Ein stilvoller Schnellschuss von dEUS

dEUS: Von der Rock-Peripherie mitten ins Schwarze: Foto: Kris Dewitte

Berlin (dpa) - Ein Schlagzeugtakt, ein groovender Basslauf, französischer Sprechgesang - und schon sind wir mittendrin im neuen Album der besten belgischen Rockband dEUS. «Quatre Mains» - ihr erster Song in der Muttersprache - eröffnet ein Schnellschuss-Werk auf Topniveau.

Denn «Following Sea» - so der Titel der siebten Studioplatte des Antwerpener Quintetts - erscheint nur ein dreiviertel Jahr nach dem hochgelobten «Keep You Close». dEUS hatten keine Lust auf die übliche Veröffentlichungspolitik der Plattenfirmen, brachten ihr neues Album im Mai zunächst digital heraus und Mitte Juni dann als Tonträger.

Ein bisschen wie Radiohead, das Ganze: «Wir wollten nicht wieder vier Jahre auf den Liedern sitzen bleiben... Es ist 2012, verdammt nochmal, die Idee, Monate auf eine Veröffentlichung zu warten, erscheint mir so altmodisch», sagt dEUS-Frontmann Tom Barman.

Wie Radiohead können sich dEUS diese querköpfige Haltung inzwischen leisten, denn ihre Musik gehört zum Stärksten und Spannendsten, was die kontinentale Indierock-Szene zu bieten hat. Die Belgier schlagen seit dem Album-Debüt «Worst Case Scenario» (1994) immer wieder neue Wege ein, sie mischen seit rund 20 Jahren in unterschiedlichen Dosierungen Postpunk, Funk, Blues, Artrock und düstere Balladen.

Auf «Following Sea» (Pias/Rough Trade) machen vor allem mächtige nachtschwarze Grooves und Barmans cooler Gesang die typische dEUS-Faszination aus. Songs wie «Girls Keep Drinking» oder «One Thing About Waves» kann man sich gut als Soundtrack eines der stilvoll-eleganten Gangsterfilme von Michael Mann vorstellen.

Die Belgier sind eine Band mit viel Sinn für Atmosphäre, ihre Musik hat filmische und erzählerische Qualitäten. In «Hidden Wounds» und «The Give Up Gene» erzählen sie zu Spoken-Word-Passagen regelrechte Thriller-Dramen.

Auch das neue dEUS-Album wird Fans von Nick Cave, Mark Lanegan oder Greg Dullis Band Twilight Singers besonders gut gefallen. Große Melodien gepaart mit einer gewissen Widerborstigkeit, Barmans lässige Raspelstimme und souveräne Arrangements jenseits aller Klischees - «Following Sea» untermauert den hervorragenden Ruf dieser Band von der Rock-Peripherie.



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