Fredda: Romantik und Melancholie
Von Wolfgang Marx, dpa
Traumhaft: Fredda aus Frankreich. Foto: Fotocredit: Sébastien Perron «Buzz»
Frédérique Dastrevigne, wie Fredda eigentlich heißt, ist eine genaue Beobachterin und wunderbare Erzählerin, die in der Beschreibung der kleinen Begebenheiten und den manchmal unscheinbaren Dingen gleichzeitig Freude mit Melancholie mischt.
In «Fenêtre à Collioure» hat sich Fredda von dem gleichnamigen Gemälde des großen französischen Malers Henri Matisse inspirieren lassen - eines seiner berühmten Fensterbilder, das in kräftigen Farben gemalt einen Blick auf den Hafen freigibt. Behutsam taucht Fedda in das farbenfrohe Gemälde ein und beschreibt die drei Blumentöpfe, die Boote und das Meer und kommt zu der Erkenntnis, wie schön das alles sei - eine Welt ohne Zorn. Mit wenigen Worten mag sie die heitere Welt des Bildes und des Mittelmeeres zu beschwören.
Die Pinselstriche des Malers vermeint man gar zu hören oder das leise Klappern der Fensterflügel im sanften Wind. Und doch schwingt eine gewisse Traurigkeit mit, das Wissen, dass das Glück doch immer von kurzer Dauer, flüchtig und vergänglich ist. Dazu setzt ein Banjo leise Akzente.
Ein Fenster öffnet sich, ein anderes Fenster schließt sich: In «Les flots bleues» verabschiedet sich Fredda vom Mittelmeer: Die blauen Wellen, ein letzter Blick, Abschied. Der Song schaukelt dahin wie ein kleines Schiff auf den Wellen.
Die Schönheit des Mittelmeers kennt Fredda genau, 1969 in den Vogesen geboren, kam sie im Alter von fünf Jahren nach Marseille. Später sollte sie auf Reisen gehen, New York und New Orleans erkunden. Heute ist Paris ihre Heimat. Der Blues war schon immer ihre Leidenschaft oder die amerikanische Folkmusik, beides lässt sie einfließen in ihre in der Tradition des französischen Chansons stehenden Lieder, die ganz sparsam instrumentiert und sehr akustisch ausgerichtet wie eine sanfte Brise daherkommen. Auch Brassens mag sie.
Die französische Singer-Songwriterin Marianne Dissard, die in Tucson eine zweite Heimat im Calexico-Land gefunden hat, hat Fredda bei den Chansons «Morin Heights» und «Journal intime» unterstützt und der Wüstenstaub scheint aus Arizona bis nach Franreich zu wehen. Direkt in die Küche von Fredda, die für «L'Ancolie» zum Studio umfunktioniert wurde. Intimer können Aufnahmen kaum sein - eine Intimität, die das ganze Album durchzieht und auszeichnet.
«L'Ancolie» hat Fedda ihr Album genannt - Akelei, eine sehr ausdauernde Pflanze. Wie die Akelei sei sie in der Lage, «sich jedes Jahr oder alle zwei Jahre wie diese Blume zu erneuern. Dieses Prinzip gefällt mir, deshalb ähnelt mir die Akelei», sagte sie im Interview mit der Website «Webthea.com». Wir sind auf das nächste Album gespannt, aber zunächst trägt uns das romantische «L'Ancolie» über den Sommer bis zum Herbst.
Konzert-Daten: 26. Juni Köln - Institut Français, 27. Juni Köln - Le Pop Lingerie, Instore-Show, 29. Juni Magdeburg - Moritzhof, Im Rahmen der FRANKO.FOLIE 2012, 30. Juni Greifswald - Café Koeppen
