Lissy Trullie: Dance-Pop mit Ecken und Kanten
Cool und selbstbewusst: Lissy Trullie. Foto: Pias
Sitek, Boss der Brooklyner Avantgarde-Rock-Heroen TV On The Radio und Studio-Knöpfchendreher ersten Ranges (Yeah Yeah Yeahs, Liars), drückt auch dem Erstlingswerk «Lissy Trullie» (Wichita/Pias) seinen Stempel auf. Seine Synthie-Sounds, Gitarren- und Bass-Grooves prägen die elf kantigen, tanzbaren und zugänglichen Songs. Auch der zweite Produzent John Hill (Santigold, M.I.A.) hinterlässt Spuren im Sound.
Die hypermoderne Fassade von Tracks wie dem Punk-Reggae «It's Only You, Isn't It?» oder «X Red» ist die eine Seite - das beachtliche Talent von Lissy Trullie die andere. Im Gegensatz zum kühlen Hochglanz-Pop von ähnlich gelagerten Jung-Diven wie Florence Welch (Florence & The Machine) oder Marina Diamandis (Marina And The Diamonds) hat diese Musik noch genug Dreck unter den Fingernägeln.
Debbie Harry (Blondie) oder Chrissie Hynde (The Pretenders) mit ihrem New-Wave-Hintergrund sind offenkundige Vorbilder. Ähnlich wie diese beiden großen Damen des Eighties-Pop singt Lissy Trullie so cool und selbstbewusst (Anspieltipps: «Madeleine», «Heart Sound»), dass man nie auf die Idee kommt, hier sei lediglich ein Püppchen des großen David Sitek unterwegs.
«Ich mache nur Musik. Ich bin kein Model oder ein Model, dass zur Sängerin wurde», stellt sie auf ihrer Homepage klar, weil ebensolche Model-Gerüchte sie schon länger begleiten. Nein, Lissy Trullie hat sich für ihre Entwicklung Zeit genommen (bisher existierte nur eine 6-Song-EP von 2009) und ist reif für die Rolle der neuen US-Indiepop-Hoffnung. Dieses kreative, kunstvoll rausgerotzte Debüt-Album lässt durchaus noch Größeres erwarten.




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