Album der Woche
15.06.2012

Rockmusik im Ringbuch: Das Beste von World Party

Von Werner Herpell, dpa

Karl Wallinger hält üppig Rückschau. Foto: Seaview

Berlin (dpa) - Einer der stil- und geschichtsbewusstesten Rockmusiker hält Rückschau - und macht Hoffnung auf einen kreativen Nachschlag: Karl Wallinger alias World Party. Von 1984 bis 2011 reichen die knapp 70 (!) Aufnahmen seines Best-of-Pakets, und gerade die jüngsten davon signalisieren, dass der Waliser noch was vorhat.

«Everybody's Falling In Love» und «Photograph» heißen die beiden Songs, die Wallinger (54) erst kürzlich in den Londoner Seaview Studios fertiggestellt hat - brillante neue Lieder, die es mit World Partys Gesamtwerk, einer großartigen Mixtur aus Rock, Soul, Folk und Funk, locker aufnehmen können. Auf «Arkeology» (Seaview/Cargo) wird diese tief in den Sechzigern wurzelnde Musik nun aufs Schönste dokumentiert.

Zunächst zur Verpackung, einem echten Wunderwerk der CD-Präsentation: ein 142-seitiger DIN-A-5-formatiger Ringbuch-Kalender, in dem die fünf Silberlinge stecken, mit raren Fotos, abgedruckten Zeitungsartikeln sowie jeder Menge interessanter und witziger Anmerkungen zu Songs und Mitmusikern. «Ich war diese üblichen CD-Zusammenstellungen so leid», sagt Wallinger. «Aber das Ganze nur digital herausbringen wollte ich auch nicht.» Danke dafür.

Rückblende: Mitte der 80er gründete Wallinger, nach einigen Jahren als Keyboarder von Mike Scotts Waterboys, ein eigenes Bandprojekt mit stetig wechselndem Personal - eben World Party. Die meisten Instrumente spielte er ohnehin selbst, und live fanden sich immer ein paar gute Kumpels (zeitweise übrigens auch Guy Chambers, der hinterher die Karriere von Robbie Williams vorantrieb).

Nach dem noch etwas unausgewogenen Debüt «Private Revolution» (1987) kam mit dem öko-bewegten «Goodbye Jumbo» der Durchbruch - für viele Rockfans und Kritiker war es das beste Album von 1990. Der Nachfolger «Bang» wurde 1993 ähnlich abgefeiert, enthielt mit «Is It Like Today» einen Singlehit und kletterte bis auf Platz 2 der UK-Albumcharts.

Danach geriet die Karriere des erklärten Verehrers von Bob Dylan, Prince, den Beatles, Rolling Stones und Beach Boys ins Stocken. Spätere Alben hatten nicht mehr die gleiche Konsistenz und Songqualität. Nach «Dumbing Up» (2000) kam kaum noch etwas von Wallinger. Wobei «Arkeology» klar macht, dass er auch seitdem als Live-Musiker sehr aktiv war.

World-Party-Juwelen wie «Ship Of Fools», «Love Street» oder «Put The Message In The Box» gibt es hier als zuvor unveröffentlichte Konzertaufnahmen, teilweise mit rauem LoFi-Charme. Seine Sixties-Vorbilder ehrt Wallinger mit tollen Cover-Versionen, etwa «Dear Prudence» und «Happiness Is A Warm Gun» (The Beatles) oder «Like A Rolling Stone» (Dylan).

Kein Zweifel: Dieser extrem liebevoll gestaltete Best-of-Kalender ist ein Schatzkästchen für jeden World-Party-Fan, inklusive Demos unbekannter Songs und Studio-Experimenten. Nicht alles hat höchste Sound-Qualität, aber genau das Verschwenderische und auch Skizzenhafte macht den Charme dieser gut 300-minütigen Songsammlung aus. Und wie schon erwähnt: Es gibt Anzeichen, dass da noch ein formidables World-Party-Comeback auf uns zukommt...



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