Album der Woche
07.06.2012

Jazzanova-Bandalbum zaubert den Sommer herbei

Von Werner Herpell, dpa

Der Sonne entgegen: Jazzanova. Foto: Sonar Kollektiv

Berlin (dpa) - Soul und Brasil-Pop, Dancefloor-Jazz und Elektro-Funk elegant verquirlt - dafür steht seit langem ein formidables DJ- und Musiker-Kollektiv aus Berlin: Jazzanova.

Mit ihren live im Studio eingespielten «Funkhaus Studio Sessions» liefert das Projekt um Stefan Leisering und Axel Reinemer jetzt den perlenden Soundtrack für diesen Sommer.

Einen Querschnitt durch das Jazzanova-Programm der vergangenen 15 Jahre bietet die Platte, doch trotz der sehr unterschiedlichen Herkunft der 14 Tracks ist dies ein Bandalbum aus einem Guss. Eines der verbindenden Elemente ist der klassische, ein wenig an den großen Bobby Womack erinnernde Soul-Gesang von Paul Randolph. Seine Stimme gleitet gleichermaßen lässig durch Gute-Laune-Grooves wie «Flashback», House-Schleicher wie «Believer» und «I Can See» oder zärtlichen Balladen wie «Little Bird».

Dass Jazzanova ein international renommiertes Projekt sind, bewies spätestens das Vorgänger-Album «Of All The Things» (2008), auf dem Gastvokalisten wie Ben Westbeech, José James und Dwele mitwirkten. Konzertauftritte, Remix-Aufträge und Compilation-Alben runden das Programm der Berliner ab. Im Januar veröffentlichte das hauseigene Label Sonar Kollektiv dann mit «Upside Down» eine Platte, auf der Jazzanova-Songs von auswärtigen Remixern bearbeitet wurden.

Die «Funkhaus Studio Sessions» wurden im November komplett im traditionsreichen früheren DDR-Rundfunkhaus an der Nalepastraße im Osten Berlins aufgenommen. Der Holzfußboden-Charme dieses Ambientes prägt Cover und Booklet des Albums. Die Musik wirkt indes topmodern und macht es schwer, still zu stehen oder gar sitzen zu bleiben.

Wuchtige Bässe und federnde Samba-Rhythmen, zackige Bläsersätze sowie die E-Piano-Zaubereien des fantastischen Sebastian Studnitzky werden unter Regie der Jazzanova-Bosse Leisering/Reinemer zu einer zündenden Mischung geformt. Zugleich verhindert die Jazz-Expertise aller Beteiligten, dass das Album in Cocktail-Banalität abgleitet oder zu Fahrstuhlmusik verkommt. Nein, diese Live-im-Studio-Platte macht jede Menge Spaß und zaubert mühelos den Hochsommer herbei.



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