The Hives in Frack und Zylinder zurück
Von Wolfgang Marx, dpa
The Hives in schniekem Outfit. Foto: Travis Schneider/Sony Music
Schöne Albumtitel («Veni Vidi Vicious», «Tyrannosaurus Hives»), smarte Outfits und schneller Rock'n'Roll - die Hives haben sich ihre eigene Welt erschaffen und machen auch mit ihrem neuen Album «Lex Hives» wieder Spaß. Den brauchen sie auch selbst: In einem Interview mit dem britischen Musik-Magazin «NME» bekannte die Band kürzlich, dass sie alle ein paar dunkle Jahre hinter sich hätten - wie man sie so häufig in Musiker-Biografien fände.
Von einer Identitätskrise wie bei anderen The-Bands wie The Strokes aber keine Spur: Mit ihrer Showband-Attitüde in einer Punk-Welt spielen The Hives in einer ganz eigenen Liga, in der gar nicht erst der Drang aufkommt, sich permanent neu erfinden zu müssen. Auch wenn die Band in den letzten Jahren immer wieder Ausflüge in andere Genres unternommen hat. Letztlich fallen The Hives immer auf The Hives zurück - auf «Lex Hives» mehr denn je.
Wozu auch alles umkrempeln? Die Hives sind das Gesetz und das verheißt maximalen Rock'n'Roll zwischen Pop, Punk, Glam- und Garagenrock. Sie kommen in den zwölf neuen Stücken ohne Umschweife auf den Punkt, vergeuden keinen Takt und keine ihrer Textzeilen auf Füller und Effekthascherei. In Sachen rauer Geradlinigkeit macht kaum jemand dem Quintett etwas vor.
Kurz und knackig der Opener «Come On!» - mehr Text braucht es kaum, 1:08 Minuten reichen für die Party-Aufforderung. Ganz klar, die Songs sind für das Kollektiverlebnis geschaffen - bei «Rock am Ring» oder «Rock im Park» sind die Schweden auch in diesem Jahr wieder bestens aufgehoben. Nicht zufällig haben sie sich im Laufe der Jahre eine hervorragenden Ruf als Live-Band erworben. Zum Mitsingen geeignet.
Und Frontmann Howlin' Pelle Almqvist ist sowieso eine Klasse für sich. Die Stimmbänder bis zum Zerreißen gespannt brüllt er sich durch die Hives-Welt, versteht es aber auch, seine Stimme verführerisch tiefer zu legen - bis er wieder loskeift. Und der Rest der Truppe? Alles Charakterköpfe.
Wie gewohnt rumpeln sich The Hives durch ihre kurzen und knackigen Songs, die nur selten die Drei-Minuten-Grenze überschreiten. Lust auf Neues haben sie dennoch: In «Go Right Ahead» hat sich doch glatt ein Saxofon eingeschlichen und bei Songs wie «Without The Money» (mit sakralem Orgelspiel) oder «My Time Is Coming» mischen sich Blues, Soul oder Gospel mit dem knackigen Hives-Sound. Doch auf dem Weg weg vom Punk hin zur Showband? Keine Spur! Trotz aller musikalischer Schlenker - das neue Album «klingt noch immer nach den Hives», sagten die Schweden dem «NME». Recht so.
