Schotten-Rock: Admiral Fallow auf dem Sprung
Von Werner Herpell, dpa
Bald ein Publikumsliebling? Foto: Owen Richards
«Vom Geheimtipp zum Publikumsliebling», raunt das erwartungsvolle Label in seinen Infos zu dieser jungen Folkrock-Truppe aus Glasgow - man kann nur hoffen, dass sie Recht behält.
Denn «Tree Bursts In Snow» (Nettwerk) sprüht wie der besagte Vorgänger nur so vor zärtlich-melancholischen Melodien, temperamentvollen Streicher- und Bläser-Arrangements und beseelten Boy/Girl-Gesängen der beiden Ober-Admiräle Louis Abbott/Sarah Hayes. Wer sich Arcade Fire oder Mumford & Sons in den schottischen Highlands vorstellen kann, hat eine Idee, wie das in etwa klingt - auch Bruce Springsteen in seiner Folk-Phase ist ein Anknüpfungspunkt («Isn't This World Enough?»).
Um nochmal auf «Boots Met My Face» (2010/Re-Issue 2011) zurückzukommen - eine erstaunlich ausgereifte Platte war das, mit elf Songs zwischen typisch nordbritischer Folk-Sprödigkeit und mitreißendem Indierock. Die Musikkritiker auf der Insel sprangen mit Lobeshymnen direkt auf dieses prächtige Debütwerk an, auch Guy Garvey (Elbow) outete sich als Fan. Doch nach Deutschland schaffte es das Album höchstens als Import.
Nun soll es also der Zweitling «Tree Bursts...» richten, der von Sound und Stimmung her an das famose Debüt direkt anschließt. Und man kann sich durchaus vorstellen, dass die aktuelle Neofolk-Welle auch dieses auf der Bühne schnell mal zur Bigband anwachsende Quintett verdientermaßen nach oben spült. Neben dem feinen Songmaterial ist ansteckende Live-Energie der große Trumpf von Admiral Fallow.
«Für mich muss ein Album wie eine Live-Show funktionieren», sagt der mit einem mächtigen schottischen Akzent gesegnete Frontmann Abbott. «Es muss eine gute Balance zwischen sofort eingängigen Nummern geben und Stücken, die sich erst nach mehrmaligem Hören erschließen.» Diese gelungene Mischung sorgt dafür, dass man sich in die zehn Lieder von «Tree Bursts...» einerseits behaglich fallen lassen kann, aber auch immer wieder Neues entdeckt.
Beaufsichtigt wurde das Album übrigens von Paul Savage (Franz Ferdinand, Mogwai, Teenage Fanclub), einem der renommiertesten Produzenten für schottische Pop-Bands der vergangenen Jahre. Er achtete offenkundig darauf, dass Admiral Fallow ihren spontanen, authentischen Sound beibehalten, und lenkte zugleich die üppige Instrumentierung (Geigen! Klarinette! Flöte! Akkordeon!) in die richtigen Bahnen.
Kurz und gut: «Tree Bursts In Snow» (mit der bewegenden Ballade «Oh, Oscar» zum krönenden Abschluss) sollte Ende des Jahres auf mancher Bestenliste - nicht nur für britische Alben - wieder auftauchen. Klasse-Platte - große Empfehlung!
