Album der Woche
28.05.2012

fun. - Hymnischer Pop unter seltsamem Namen

Von Patrick T. Neumann, dpa

Download-Millionäre sind sie schon: fun. Foto: Lindsey Byrnes/Warner Music

Berlin (dpa) - Wie kann man eine Band denn nur so nennen? Fun, also Spaß. Und dann auch noch in der eigenwilligen Schreibweise «fun.» - bloß ein Witz, ein Spaß? Keineswegs.

In den USA hat das New Yorker Trio bereits Rekorde gebrochen: Über vier Millionen Downloads hatte die erste Single «We Are Young» alleine beim Portal iTunes - da kommen sogar Lady Gaga und Justin Bieber nicht mit. Das neue Album «Some Nights» schaffte es bis auf Platz zwei der Billboard-Charts. Jetzt wollen die drei Musiker auch in Europa Furore machen - komischer Bandname hin oder her.

Und so komisch finden sie ihren Namen gar nicht, es gab noch schrägere Sachen in der Auswahl: «Wir hatten schon über 100 Band-Namen auf dem Tisch, plötzlich sagte jemand "Ice Cream"», erzählt Sänger Nate Ruess im dpa-Interview. «Wir dachten: "Wow, das ist ein richtig schlechter Name, aber er bringt ein interessantes Gefühl mit sich - und dieses Gefühl ist Fun". Das Wort ist sehr, sehr kurz, und irgendwie passt es auch zu uns.» Und warum der Punkt am Ende? «Damit uns nicht der Fluch einer schwedischen Death-Metal-Band trifft» - denn die gab es mit dem sehr, sehr kurzen Namen schon.

Mit der Internetadresse war es dann auch nicht so ganz leicht, denn wer «fun» googelt, bekommt meist Online-Spiele oder Sex-Seiten angeboten. Doch der US-Erfolg hat auch hier schon Früchte getragen: Immerhin findet sich die durchaus clever benannte Band-Website «ournameisfun.com» und der englische Wikipedia-Eintrag des Trios schon in den Top Ten der Google-Suche.

Das dort angegebene Genre Indie-Alternative Rock/Power Pop trifft die Musik der Band aber nur begrenzt. Man könnte auch noch Glam-Rock, Synthie-Pop-Einflüsse und einen gehörigen Schuss Queen hinzufügen. Ein ungewöhnlicher Genre-Mix, der beim ersten Hören des Albums auch etwas irritiert. Doch irgendwie passt das alles dann doch zusammen - die hymnische Single mit Soulstar Janelle Monaé, die in der US-Serie «Glee» und in einem Auto-Werbespot eingesetzt wurde, das «Some Nights Intro» mit «Bohemian Rhapsody»-Anleihen, die manchmal verblüffend an Freddie Mercury erinnernde Stimme von Ruess, Bläsersätze und Gitarrenriffs.

«Es sind so viele großartige Dinge in der Popmusik passiert - wir schauen auf den Rock der 80er ebenso wie auf Hip-Hop und den Electro-Sound der 90er. Wir nutzen all das als Inspirationsquelle, was wir lieben», erklärt Ruess. Und was ist mit Queen? Er lächelt verschmitzt: «Ich besitze die eine oder andere Queen-DVD und habe sie mir auch öfter angeschaut... Ich war immer fasziniert von dem Bravado, das die Band auf die Bühne brachte, aber wir wollen keineswegs so klingen - es gibt ja auch eine Menge Songs, die gar nichts mit Queen zu tun haben.»

Tatsächlich klingt der Sound vertraut und doch einzigartig. Die Songs haben eine eigene kompositorische Qualität, meist im Bereich der Pop-Hymne angesiedelt. Dabei kommen Ruess, Andrew Dost und Jack Antonoff, die zwischen Ende 20 und Anfang 30 sind, ursprünglich aus der Indie-Rock-Ecke. Sie spielten zuvor bei drei unterschiedlichen Bands (The Format, Anathallo und Steel Train), kannten sich aber von gemeinsamen Auftritten. Als sich The Format Anfang 2008 auflöste, gründete Ruess mit den beiden sein neues Projekt - das bisher erfolgreichste der drei Musiker, die sich jetzt zumindest Download-Millionäre nennen können.

Auch Dollar-Millionäre? «Oh nein, Jack hier wohnt sogar noch bei seinen Eltern», sagt Ruess und zeigt auf seinen Nebenmann - und der sagt schlicht: «Wir sind reich an Stolz - mehr aber auch nicht.»



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