Album der Woche
24.05.2012

Mit Beach House auf dem Indiepop-Trip

Von Werner Herpell, dpa

Träge wie Lava fließen die Songs dahin: Beach House. Foto: Cooperative Music

Berlin (dpa) - Ihr Aufstieg scheint unaufhaltsam, obwohl sich die Musik nur in Nuancen verändert (und dabei allerdings immer besser wird): Victoria Legrand und Alex Scally alias Beach House haben das Zeug, zu neuen Superstars der Indie-Szene zu werden.

Das vierte Studiowerk des Dreampop-Duos heißt «Bloom» wie Blüte, und wieder schillern hier zehn melancholische, träge wie Lava dahinfließende Songs (plus ein gut versteckter) in den üppigsten Farben. Beach House legen Wert darauf, dass dieses atmosphärische Album auch tatsächlich als solches konsumiert werden sollte - für den geradezu halluzinogenen Flow verzichteten sie auf einige gute Songs (vielleicht auch Hits), die nicht hineinpassten. Und man kann nur lobend anerkennen, dass diese Sound-Operation geglückt ist - «Bloom» ist das anspruchsvollste und zugleich eingängigste Album der beiden Musiker aus Baltimore/Maryland.

Schon mit dem Vorgänger «Teen Dream» (2010) verabschiedeten sich Beach House von der psychedelisch-selbstvergessenen Kiffermusik aus Dröhn-Gitarren, Waber-Keyboards und im Hall versunkenen Shoegazer-Vocals. Zwar wies auch dieses dritte Album noch alle typischen Elemente des Dreampop-Genres auf, doch ließen sich nun auf Anhieb wunderbar zugängliche Melodien ausmachen. Mit einer Billboard-Notierung in den US-Top 50 war das Indie-Album kommerziell ein Achtungserfolg - vor allem aber landete «Teen Dream» in vielen Jahresbestenlisten der Popkritiker weit vorn, etwa beim einflussreichen Internet-Magazin «Pitchfork».

Auch «Bloom» findet - beispielsweise mit der extrem seltenen Höchstwertung 10/10 bei «Popmatters» - bereits wieder begeistertes Feedback. Und das völlig zu Recht. Der «Wall of Sound» durch jubilierend flirrende Synthesizer und Gitarren wurde noch einmal etwas höher geschichtet, treibendes (Computer-)Schlagzeug und die sensationelle, meist leicht weggetreten klingende Stimme von Victoria Legrand sorgen endgültig für benebelte Glücksgefühle. «Bloom» ist ein Trip ganz ohne illegale Substanzen.

Oder, wie es die Sängerin - übrigens eine Nichte des berühmten französischen Popkomponisten Michel Legrand («Windmills Of Your Mind») - ausdrückt: «"Bloom" ist eine Reise. Für mich steht das Album für die unersetzliche Kraft der Fantasie... Eine Blüte ist vergänglich, eine flüchtige Vision des Lebens in aller Intensität und Farbenpracht, wunderschön - wenn auch nur für einen Moment.» Es lohnt daher kaum, aus dieser Ansammlung prächtiger Blüten einzelne hervorzuheben. Als Anspieltipps sollten dennoch das hymnische «On The Sea» und das nicht nur rhythmisch an Kate Bushs «Running Up That Hill» erinnernde «Wild» genannt werden.

Konzert: Beach House geben am 27. Mai in der Berliner Volksbühne ein exklusives Deutschland-Konzert.



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