Entspannt abtanzen zum Disco-Funk von Kindness
Party mit Adam Bainbridge. Foto: Cooperative Music
«95 Prozent von all dem, was man über einen neuen Künstler wissen will, sollte in seiner Platte stecken», erklärt der in London und Berlin lebende Sohn einer indischen Mutter und eines britischen Vaters. Das Kindness-Debüt «World, You Need A Change Of Mind» sagt über Bainbridge vor allem aus, dass er ein Fan von stilvollem 70er/80er-Jahre-Funk, tanzbarem Postpunk à la Talking Heads und schrägen Cover-Versionen ist.
Nach dem wuchtigen Synthiepop-Einstieg «SEOD» überrascht Kindness mit dem zum Tanzbodenfüller aufgebrezelten «Swingin' Party» - im Original von den US-Alternative-Rockern The Replacements und hier kaum wiederzuerkennen. Gleich darauf greift Bainbridge sich «Anyone Can Fall In Love», einen britischen Schlager von 1985, und macht daraus eine an Prince erinnernde Ballade.
Beides hat was - aber die Eigenkompositionen von Mister Kindness sind noch interessanter. Das sphärische «Gee Wizz» und erst recht das anschließende, nur zweiminütige «Gee Up» leben von einer höllisch groovenden, an Nile Rodgers (Chic) erinnernden Disco-Funk-Gitarre. Auch «House» lässt wieder bessere Prince-Zeiten aufleben. Dazu singt Bainbridge mit sanft-androgyner Blue-Eyed-Soul-Stimme.
Ganz großartig klingt auch das von einem gewaltigen Funkbass angetriebene «It's Alright». Hier hat der französische Produzent Philippe Zdar (Phoenix) ganze Arbeit geleistet. Diesen Einfluss hört man auch auf «Cyan» und im Groove von «Doigsong».
Die berühmten Londoner Rough-Trade-Plattenläden lobten das Patchwork-Album von Kindness kürzlich als «klassisch und doch absolut modern». Völlig korrekt. Und mal ehrlich: Wer interessiert sich schon für den DJ Adam Bainbridge, wenn man zu seiner Musik so schön entspannt abtanzen kann?



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