Die Retro-Jukebox des Salim Nourallah
Salim Nourallah lässt Erinnerungen wachwerden. Foto: Carla Elliot
Denn wie der 45-Jährige auf seinem bislang besten Werk mit sicherer Hand schönste Erinnerungen an Ray Davies, John Lennon, Roger McGuinn oder Pete Townshend aus dem Hut zaubert, das nötigt mehr als nur Respekt ab. «Hit Parade» funktioniert wie eine gut bestückte Jukebox, mit Poprock-Songs zwischen entspanntem Sixties-Beat, psychedelisch angehauchten Seventies-Referenzen und stilvollen, kitschfreien Balladen.
Nourallah ist in Fachkreisen natürlich längst kein Unbekannter mehr, dieses feine Album kommt also keineswegs wie Kai aus der Kiste. Nach den Anfängen im Brüderpaar The Nourallah Brothers verlegte er sich vor acht Jahren auf eine Solo-Karriere, die ihn schließlich zum deutschen Label Tapete führte. Die Hamburger Plattenfirma erkannte schnell die Qualitäten des Texaners und bietet ihm seit «Snowing In My Heart» (2007) hierzulande einen sicheren Hafen.
Exemplarisch für die neue Scheibe lässt sich die hell funkelnde Pop-Perle «Goddamn Life» hervorheben, die Salim Nourallah auf der Höhe seiner Harmonie- und Arrangierkunst präsentiert. Wunderbare Jingle-Jangle-Gitarren und luftig produzierte Drums umspielen die sympathische, immer leicht quengelige Stimme des Amerikaners, die sich hier zu einem sommerlich leichten Chorus emporschwingt.
Das unmittelbar anschließende «Warriors Of Love» mit mediterranen Akustikgitarren und jazzigen Klavierläufen lässt ebenfalls warme, nostalgische Gefühle aufkommen. Mit «Travolta» traut sich Nourallah sogar (augenzwinkernd, versteht sich) in Disco-Gefilde. «The Quitter» lässt den prachtvollen Westcoast-Gitarrenpop der Byrds hochleben, ehe die Platte mit den zarten Akustik-Balladen «Friends For Life» und «Miette» auf die Zielgerade einschwenkt.
«Hit Parade» wird anno 2012 kein Charts-Futter mehr sein - dafür aber ein Retro-Pop-Album ersten Ranges.
