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02.08.2012

Immer im Takt: Berliner sammelt Herzschrittmacher

Von Sören Stache und Ulrike von Leszczynski, dpa

Jürgen Becker mit seiner außergewöhnlichen Sammlung von Herzschrittmachern. Foto: Soeren Stache

Berlin (dpa) - Jürgen Beckers größter Stolz als passionierter Sammler ist eine Schuhcremedose. Nicht irgendeine Dose natürlich, sondern die ungewöhnliche Hülle der ersten Herzschrittmacher aus den 50er Jahren.

Denn der Berliner Pensionär Becker hat ein nicht gerade alltägliches Hobby: Er sammelt Herzschrittmacher wie andere Menschen seltene Briefmarken. 200 kleine Geräte hütet er zu Hause. Mehrere hundert weitere hat er aus Platzgründen schon an Museen abgegeben. Becker ist 71. Schrittmacher faszinieren ihn - auch wenn sein Herz gesund und er selbst topfit ist.

Am Anfang ging es wirklich um eine Schuhcremedose. In ihr verstauten 1958 ein schwedischer Arzt und ein Ingenieur die Bauteile für den ersten Herzschrittmacher der Welt. Was als Notlösung für einen Patienten mit Herzrhythmusstörungen gedacht war, hat sich seitdem als Lebensretter für Millionen Menschen weltweit entwickelt. Heute reicht ein halbstündiger Routineeingriff, um Patienten mit Hilfe eines modernen Schrittmachers ein langes Leben ohne große Einschränkungen zu ermöglichen. Die kleinsten Geräte sind nur so groß wie eine Zwei-Euro-Münze und ticken wie ein Mini-Computer.

Diese rasante technische Entwicklung hat Jürgen Becker durch sein Berufsleben begleitet: Er war Medizintechniker mit Leidenschaft. Seit seinen Lehrjahren beschäftigt er sich mit den implantierbaren Taktgebern fürs Herz, später auch als Technik-Berater für Mediziner. «Immer wieder drückten mir Ärzte ausrangierte Herzschrittmacher in die Hand», erinnert er sich. Viele Geräte behielt er und bewahrte sie so vor der Entsorgung als Sondermüll. Auf das Dosen-Modell aus der ersten Serie ist er besonders stolz. «Damals hielten die Batterien nur wenige Stunden und mussten von außen mit einer Induktionsspule aufgeladen werden», erläutert Becker.

Im Oktober 1958 war es eine Sensation, als die Schweden den ersten Schrittmacher testeten. Seitdem hat sich viel getan. Der erste Schrittmacher arbeitete noch starr wie ein Metronom. Heutige Geräte könnten sich auf den Kreislauf der Herzkranken einstellen. Das Prinzip blieb aber gleich: Wie eine kleine Maschine treibt der Schrittmacher das Herz durch elektrische Impulse an. Unterhalb des Schlüsselbeins werden isolierte Drähte über ein Brustgefäß zum Herzen durchgesteckt und im Herzmuskel verankert.

Damit kann der Apparat zum Lebensretter werden. Wenn das Herz zu langsam schlägt oder Pausen macht, kann es ohne technische Hilfe zu Schwindelanfällen bis hin zur Bewusstlosigkeit kommen. Im schlimmsten Fall droht bei Anstrengungen ein Herzstillstand, der ohne Notarzt zum Tod führen kann. Nach Angaben des Bundesverbandes Medizintechnologie erhalten in Deutschland jedes Jahr 100 000 Herzkranke einen Schrittmacher. Die kleine Operation ist bereits ambulant möglich. Zu sehen ist vom Schrittmacher meist nur eine kleine Hautbeule unterhalb des Schlüsselbeins.

Wie ein Schrittmacher technisch ganz genau funktioniert, zeigt Jürgen Becker gern. Er besitzt Prototypen, Test-Apparate und Präsentationsgeräte vieler Generationen in Hülle und Fülle. Heute ist er ein Fan moderner Lithium-Ionen-Batterien, die Schrittmachern eine «Lebensdauer» von mehr als zehn Jahren ermöglichen.

Die ersten Apparate in der Schuhcremedose hielten nur wenige Tage durch. Doch der erste Träger, der Schwede Arni Larsson, glaubte unerschütterlich an diese Technik. Larssons Geschichte erzählt Becker besonders gern ausführlich: Der Schwede ließ sich in seinem Leben 22 Schrittmacher einsetzen und starb erst 2002 - mit 86 Jahren. Er überlebte seinen ersten Schrittmacher-Arzt locker um zwei Jahre.



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    Quelle: Deutsche Bank / Realtime Indikation