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30.06.2012

Städte nutzen Zahngold von Toten als Einnahmequelle

Wohin mit den Goldzähnen? Foto: Marijan Murat

Berlin (dpa) - Mit dem Zahngold von Toten lässt sich viel Geld verdienen. Einige Städte verwerten systematisch, was nach der Einäscherung übrig bleibt, wie eine Umfrage der Nachrichtenagentur dpa ergab. Sie verdienen mit der Verwertung bis zu mehreren hunderttausend Euro im Jahr. Meistens wird das Geld für soziale Zwecke gespendet, mal lassen es die Städte in den eigenen Haushalt fließen. Heftige Kritik daran kommt vom Bundesverband Deutscher Bestatter. «Das empfinde ich wie ein Ausschlachten des Menschen», sagte Präsident Christian Streidt.

Nicht alle Städte verwerten das Zahngold. Viele füllen es stattdessen mit in die Urne. Das Sächsische Sozialministerium hält die Asche eines Verstorbenen für «unteilbar». Auch Hamburg, Erfurt, Köln, Augsburg, Greifswald, Essen und Schwerin handhaben das so. «Zum einen ist die Frage nicht geklärt, wem das gehört, und zum anderen kommt man da schnell in ein schlechtes Licht», sagte Bastian Schenk vom privat betriebenen Krematorium im baden-württembergischen Aalen. Zudem fehlen vielen Krematorien die notwendigen technischen Mittel. In Augsburg gibt es nach Angaben der Stadt kein Geld für das 40 000 Euro teure spezielle Gerät, das Gold und Asche trennt.

Größere Metallteile wie künstliche Gelenke oder Sargbeschläge werden vor der Bestattung hingegen immer heraussortiert. «Hüftgelenke zum Beispiel sind einfach zu groß für die Urne», sagte Streidt. Metall im Wert von 60 bis 70 Euro komme so pro Einäscherung zusammen. Danach ist das Vorgehen der Krematorien unterschiedlich. Einige filtern Edelmetalle mit speziellen Maschinen aus der Asche heraus.

Die Stadt Nürnberg verdient nach Angaben der Friedhofsverwaltung rund 250 000 Euro jährlich mit Altgold. In Karlsruhe sind es 90 000 Euro, in Ludwigsburg, Dortmund und Reutlingen mehrere zehntausend. Das Zahngold könne - je nach verwendetem Material und Menge - bei einer Einäscherung zwischen 5 und 200 Euro ergeben, erläuterte Dominik Lochmann von der Edelmetall-Service GmbH. Vor allem bei einem hohen Goldpreis kann das ein lukratives Geschäft sein.

Die systematische Verwertung der Edelmetalle ist für Streidt respektlos. «Irgendwann muss mal eine Grenze sein, dass man sagt, das ist ein Mensch», sagte er. «Dass wir anfangen, uns auszuschlachten wie Fernseher oder Handys, ich finde das nicht mehr richtig.»

Der Erlös der Metall-Verwertung kommt meistens der Allgemeinheit zugute. In Nürnberg wurden neue Stühle angeschafft und Toiletten gebaut. In Reutlingen fließt der Erlös in den städtischen Haushalt, um die Kosten für Einäscherungen niedrig zu halten. Ähnlich ist es in Dortmund, hier werden die Erlöse 1:1 dem Gebührenhaushalt zugeführt. In Karlsruhe wird das Geld für die Pflege verwahrloster Gräber oder die Trauerbegleitung eingesetzt.

Die Angehörigen der Toten haben das erste Recht auf das Metall. Sie können es vor der Verbrennung von einem Pathologen oder Zahnarzt entfernen lassen, was aber nur selten vorkommt. Das sei pietätlos und bisher auch noch nie von Angehörigen gewünscht worden, berichtete der Bestatterverband Mecklenburg-Vorpommern. Auch nach der Verbrennung werden die Metalle nur selten den Angehörigen übergeben. Sie könnten mit einem einzelnen Teil meistens gar nichts anfangen, sagte Streidt.

In Karlsruhe und Ludwigsburg müssen die Angehörigen vor der Verbrennung des Toten zustimmen, dass die Stadt die Überbleibsel verwerten darf. In München muss der Tote noch zu Lebzeiten verfügt haben, wem er sein Zahngold vermachen will. Hat er das nicht getan, wird es automatisch mitbestattet. Krematoriums-Mitarbeiter geraten immer wieder unter Verdacht, das Metall zu stehlen. In Hamburg wurde es bis 2010 heraussortiert und verwertet, dann wurde entdeckt, dass ein Mitarbeiter Altgold entwendete. Seitdem wird es komplett in die Urne gefüllt. In Nürnberg ist es umgekehrt: Weil Mitarbeiter Gold entwendeten, wurde begonnen, es offiziell zu verwerten. In Augsburg macht die Verwaltung stichprobenartige Kontrollen, um sicherzustellen, dass Mitarbeiter nicht in Urnen auf Goldsuche gehen.



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    Quelle: Deutsche Bank / Realtime Indikation