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06.12.2011

Generation «iKids»: Technik beherrscht Wunschzettel

Von Andy Goldberg, dpa

Hauptsache elektronisch: Geschenke für den Gabentisch. Foto: Andreas Gebert

San Francisco (dpa) - Schon die Jüngsten legen Wert auf Technik, vor allem in den USA. Das zeigt ein kurzer Blick auf die Wunschzettel zu Weihnachten. Die neue Generation der «iBabys» wird mit Technik-Spielzeugen überflutet.

Paul Renn ist ein stolzer Vater. Und wie alle stolzen Väter macht er Videos von den Fortschritten seiner einjährigen Tochter Valeria. Er hält ihre Seitwärtsrollen fest, ihr erstes gestammeltes «Da Da», die ersten Schritte - und wie Valeria Papas Tabletcomputer zum ersten Mal bedient. «Es ist unglaublich, wie intuitiv sie dieses Ding ergründet», sagt Renn ungläubig. «Als wäre ihr Verstand verdrahtet damit.»

Renns Freude teilen viele Eltern nicht. Denn die Jüngsten in den USA wünschen sich zu Weihnachten häufig teure Technik. Das US-Magazin «PC» (Online) hat kurz vor Weihnachten eine kleine Anleitung für Eltern veröffentlicht und gleich die rhetorische Frage gestellt: «Woher sollen Sie schließlich wissen, ob für Ihr Kleines der Spielzeug-Tabletcomputer besser ist als die sprechende Maus?»

Schals, Skateboard, Socken oder Lego sind bei den Kids in den USA kaum mehr gefragt. Seit Jahren schon wird für Technikgeschenke an Weihnachten stetig mehr Geld ausgegeben. 40 Prozent der US-Amerikaner haben schon am Eröffnungstag der Weihnachtssaison elektronische Geräte gekauft, wie der Einzelhandelsverband ermittelte. In Deutschland zeichnet sich dem Hauptverband des Deutschen Einzelhandels zufolge eine ähnliche Tendenz ab. Zum Beginn des Advents hätten die Kunden für Weihnachten auch nach technischen Geräten gegriffen.

Ganz oben auf der Wunschliste von amerikanischen Kindern steht dieses Jahr das iPad - immerhin selbst in der billigsten Version und ohne Steuer schon 500 Dollar (etwa 370 Euro) teuer. Nach Angaben des Marktforschungsinstituts Nielsen wünschen sich 44 Prozent der amerikanischen Kinder im Alter von 6 bis 14 Jahren dieses Weihnachten eines. Es folgen weitere Apple-Produkte auf Platz zwei und drei: Einen iPod wollen 30 Prozent, ein iPhone 27 Prozent.

Nielsen erklärt das mit der einfachen Handhabung - und: Die Kinder kommen schon früh mit diesen Produkten in Berührung, weil auch die Eltern gern damit spielen. Zudem funktioniere bei vielen noch die Marketingstrategie nach dem Motto: Unsere Produkte sind teuer und vielleicht nicht einmal besser - dafür aber cool. So ist auch die Elterngeneration den stylischen Geräten verfallen. Apple fuhr zuletzt immer neue Traumgewinne ein.

Auch in Deutschland und anderen deutschsprachigen Ländern schreiben viele Kinder Elektronisches auf den Wunschzettel. Und auch zum Beispiel in Österreich wird Wert auf Markenware gelegt, ergab eine Studie der Alpen-Adria-Universität in Klagenfurt schon für 2010.

In den USA hat sich mittlerweile für Kinder ein regelrechtes Technikparadies etabliert, mit günstigeren Alternativen zu Apples Markenprodukten. So kostet der leapPad Explorer nur etwa 100 Dollar (74 Euro), hat einen Berührungsbildschirm, eine eingebaute Kamera und allerlei Spiele mit erzieherischem Anspruch. Noch günstiger ist das MobiGo, das eine ausfahrbare Tastatur hat.

Selbst die klassischen Spielzeuge werden nun mit Technikallerlei aufgemotzt. Statt des üblichen Buntstifts gibt es den ColorStudio HD, das elektronische Pendant und zugleich eine Applikation für das iPad, mit dem die Kinder animierte Bilderchen malen können.

Wer will da schon ein Plüschtier? Wo sich doch in den Spielzeugläden die laufenden, sprechenden und singenden Robotertiere aneinanderreihen. Ein solches Exemplar ist der Wappy Dog für umgerechnet 37 Euro. Dem drolligen Haustierchen können Tricks beigebracht werden. Außerdem spielt es mit dem Kind und zeigt sogar Launen - je nachdem wie viel Aufmerksamkeit ihm geschenkt wird.

Clevere Eltern werden sich am Ende aber vielleicht für technische Spielzeuge entscheiden, von denen sie selber profitieren. Das iCade etwa ist ein Spielautomat für das iPad. Abgespielt werden alte Spieleklassiker aus den 80er Jahren. Interessant allerdings: Selbst die Eltern, die dutzendfach elektronische Bücher auf ihr Lesegerät runterladen, bestehen laut «New York Times» für ihre Kinder in der Regel auf Papierbücher. Literatur ist eben auch zum Anfassen.

Die Nachfrage nach Technik ist selbst bei den Kleinsten groß. Den Beweis liefert auch YouTube: Im Internet kursieren etliche Videos von Babys, die iPads wie Profis bedienen. Eines zeigt ein Mädchen: Es hält eine Zeitschrift in den Händen und will die Bilder per Fingerbewegung wie auf dem Tabletcomputer nach unten oder zur Seite bewegen. Frustriert darüber, dass die Bilder bleiben, legt sie das Magazin zur Seite. Vielleicht also doch lieber ein Schal oder Socken?



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    Quelle: Deutsche Bank / Realtime Indikation