Überblick
14.08.2019

USA sehen keine Einigung im Handelskrieg mit China

Washington (dpa) - Trotz der Verschiebung neuer Strafzölle durch die US-Regierung ist im Handelskrieg mit China keine Einigung in Sicht. Die Volksrepublik habe in den jüngsten Gesprächen keine neuen Zugeständnisse gemacht, sagte US-Handelsminister Wilbur Ross.

Die Verschiebung einiger Strafzölle bis Dezember sei nur mit der Sorge um das Weihnachtsgeschäft in den USA begründet, sagte Ross im Gespräch mit dem Sender CNBC. Präsident Donald Trumps Berater für Handelsfragen, Peter Navarro, sagte, man müsse sich auf langwierige Verhandlungen einstellen. Die US-Börsen gaben unterdessen stark nach - auch wegen Warnsignalen am Anleihenmarkt.

Der als sehr einflussreich geltende Navarro sagte dem Nachrichtensender Fox Business, der Präsident werde in den Verhandlungen mit China keinen halbgaren Kompromiss akzeptieren. Es brauche tiefgreifende, strukturelle und verifizierbare Veränderungen. «Man kann die Chinesen nicht auf halbem Weg treffen», sagte Navarro. Würde man das tun, würden sie immer noch «halb so viel stehlen wie jetzt stehlen und halb so viele Amerikaner töten», sagte Navarro mit Blick auf das Handelsdefizit und den anhaltenden Schmuggel der Droge Fentanyl aus China.

Navarro räumte ein, dass der bereits seit einem Jahr andauernde Handelskonflikt langfristig die globale Konjunktur in Mitleidenschaft ziehen würde. «Wenn wir in China keine strukturellen Veränderungen erreichen, dann wird die globale Wirtschaft eine tolle Chance für weiteres Wachstum verpassen», sagte er Fox Business. Die Verhandlungsführer beider Seiten wollten in den nächsten zwei Wochen erneut telefonieren, so Navarro. Handelsminister Ross wiederum sagte, dass es bislang noch kein Datum für die ursprünglich im September in Washington geplante Verhandlungsrunde gebe.

Der Handelskrieg lastet schon jetzt auf den Konjunkturaussichten. Nach Warnsignalen vom US-Anleihenmarkt sackte der New Yorker Leitindex Dow Jones bis zum frühen Nachmittag (Ortszeit) zeitweise um gut 700 Punkte oder fast drei Prozent auf 25.549 Punkte ab. Auch der Technologieindex Nasdaq fiel zeitweise um gut drei Prozent.

Die Entwicklungen am Anleihenmarkt wurden von einigen Analysten als Zeichen einer bevorstehenden Rezession gedeutet. Präsidentenberater Navarro wies diese Interpretation jedoch zurück. Die Volatilität an der Börse lasse nur darauf schließen, dass die US-Notenbank den Leitzins um ein halbes Prozent senken müsste, sagte er. Die Federal Reserve hatte den Leitzins im Juli erstmals seit 2008 wieder gesenkt - auch wegen der Folgen der Handelskonflikte für die Konjunktur.

Die US-Regierung hatte am Dienstag einen Teil der von Trump Anfang August angekündigten neuen Strafzölle in Höhe von 10 Prozent auf Importe im Wert von insgesamt 300 Milliarden US-Dollar überraschend verschoben. Zahlreiche Konsumgüter - darunter etwa Smartphones, Laptops, Turnschuhe und Spielzeug - sollen erst ab 15. Dezember mit der Strafabgabe belegt worden, um das Weihnachtsgeschäft nicht zu gefährden. US-Medienberichten zufolge sollen die nun ausgenommenen Importe einen Wert von mindestens 100 Milliarden US-Dollar haben.

Die Zölle sollten ursprünglich im September in Kraft treten. Zuvor verhängte Zölle in Höhe von 25 Prozent auf Importe im Wert von rund 250 Milliarden US-Dollar bleiben weiter bestehen. Damit werden ab Mitte Dezember fast alle chinesischen Importe in die USA mit Strafzöllen belegt sein.

Die Verhandlungsführer aus Peking und Washington hatten am Dienstag zuletzt telefoniert. Trump sagte, die jüngsten Gespräche seien «sehr produktiv» gewesen. China wolle unbedingt ein Handelsabkommen, sagte er. Die vorige Gesprächsrunde der beiden Staaten im Juli war ohne konkretes Ergebnis zu Ende gegangen, woraufhin Trump die neuen Strafzölle ankündigte. Trump wird auch künftig sicher weiter Druck machen und auf eine schnelle Einigung mit Peking drängen. Er befürchtet, die Chinesen spielen im Hinblick auf die US-Wahl im kommenden Jahr auf Zeit. Das will er nicht hinnehmen.

Der Handelskrieg war ursprünglich von der Verärgerung Trumps darüber ausgelöst worden, dass China weit mehr in die USA exportiert als umgekehrt. Der US-Präsident fordert eine Beseitigung von Marktschranken, kritisiert die Verletzung von Urheberrechten und den zwangsweisen Technologietransfer bei in China tätigen US-Unternehmen.



Thema des Tages

Dortmund Tabellenführer - Fortuna verdirbt Bremens Party

Dortmund (dpa) - Borussia Dortmund hat seine Titeljagd mit einer Tor-Gala begonnen und gleich die Tabellenspitze erobert. »weiter
Lesen Sie auch:
  • Wirbel um AKK-Äußerung zu Ex-Verfassungsschutzchef Maaßen
  • Parteiausschluss aus der CDU - Hohe Hürden, wenige Fälle
  • Soldaten in Uniform fahren ab Januar kostenlos mit der Bahn
  • Computer

    Hinweis auf iPhone-Vorstellung am 10. September

    Londrina (dpa) - In einer Vorabversion von Apple-Software ist ein Hinweis auf die Vorstellung neuer iPhones am 10. September entdeckt worden. »weiter
    Lesen Sie auch:
  • Vodafone aktiviert 5G-Masten in Berlin
  • Experten entdecken Datenleck in Kaspersky-Virenschutz
  • Mehr als eine Million Fingerabdrücke offen im Netz


  • Wissenschaft

    Handel mit Wildtieren: Eine Lösung für deren Schutz?

    Genf (dpa) - Elefantenschädel als Jagdtrophäen, Elfenbein für Schmuck: Geht es nach dem Willen mehrerer Länder im südlichen Afrika, soll mehr Handel mit Elefanten erlaubt werden. »weiter
    Lesen Sie auch:
  • Abholzung am Amazonas hat um 15 Prozent zugelegt
  • Deutschem gelingt Sonnenfinsternis-Foto aus Mondperspektive
  • Flächenbrände schädigen Klima weniger als angenommen
  • Börse
    DAX
    Chart
    DAX 11.568,00 +0,05%
    TecDAX 2.703,25 -0,00%
    EUR/USD 1,1090 -0,16%

    Quelle: Sponsor Deutsche Bank / Realtime Indikation