Überblick
06.12.2018

Opec-Treffen: Weiter Rätselraten über Förderkürzung

Von Fabian Nitschmann und Matthias Röder, dpa

Wien (dpa) - Das Rätselraten über mögliche Förderkürzungen durch die Ölstaaten der Opec geht weiter. Die 15 Mitglieder des Kartells haben am Donnerstagabend ihre mit Spannung erwarteten Beratungen beendet, ohne ein Ergebnis bekannt zu geben.

Eine Pressekonferenz wurde nach den stundenlangen Gesprächen kurzerhand abgesagt. Saudi-Arabiens Energieminister Khalid Al-Falih sagte auf dem Weg aus der Opec-Zentrale in Wien, dass er nicht sicher sei, ob es am Freitag beim Treffen der Opec mit den Nicht-Opec-Staaten wie Russland («Opec+») zu einer Einigung kommen werde.

Die Opec präsentierte sich damit nach dem Absturz des Ölpreises seit Oktober um fast 30 Prozent und dem Ausstieg Katars aus dem Ölkartell sehr uneinig. Der Ölpreis gab am Donnerstag ohne das eigentlich erwartete Signal eines neuen Förderlimits weiter nach. So kostete die Nordseesorte Brent am Abend 59,45 US-Dollar - nach mehr als 61 Dollar am Morgen. Dabei wollte das Kartell gerade jetzt Zusammenarbeit und verantwortungsvolles Handeln demonstrieren.

Experten waren vor dem Ministertreffen davon ausgegangen, dass sich die 15 Opec-Staaten auf eine kräftige Produktionskürzung verständigen würden. Al-Falih sprach aber bereits vor der Sitzung davon, dass Kürzungen in einer weiten Spanne von 500 000 bis 1,5 Millionen Barrel (je 159 Liter) am Tag möglich seien.

Auch in Washington wird die Entscheidung der Opec mit Spannung erwartet. US-Präsident Donald Trump hatte sich am Mittwochabend via Twitter bereits gegen mögliche Produktionskürzungen ausgesprochen. «Die Welt will keine höheren Ölpreise sehen und braucht sie auch nicht!», twitterte er.

Der Markt erwarte eine Kürzung von 1 bis 1,5 Millionen Barrel, meinte der Analyst des Forschungsinstituts JBC, Alexander Pögl. «Der Preis wird sich nur bei einer starken Entscheidung bewegen», erklärte der Experte.

Auch Analyst Jan Edelmann von der HSH Nordbank erwartete eine Kürzung von insgesamt mindestens rund 1,3 Millionen Barrel. Dieser Schritt liege angesichts der Anzeichen einer Eintrübung der Weltwirtschaft nahe. Dass der saudische Minister eine Einigung am Freitag in Zweifel zieht, bezeichneten die Analysten der HSH Nordbank als gute taktische Entscheidung vor den «Opec+»-Gesprächen.

Denn bei den Gesprächen wird es aller Voraussicht nach schwierig, vor allem Russland zu einer deutlichen Produktionskürzung zu bewegen. Laut Edelmann gehen die Vorstellung über einen geeigneten Ölpreis zwischen Saudi-Arabien und Russland als den beiden Schwergewichten der «Opec+»-Runde weit auseinander. Russland wolle vor allem wenig Bewegung beim Preis, komfortabel wären rund 60 Dollar. Saudi-Arabien peilt derweil eher 80 Dollar oder etwas weniger an.

Die 15 Opec-Staaten produzierten im Oktober nach eigenen Angaben gemeinsam fast 33 Millionen Barrel Öl am Tag. Der Bedarf liegt laut der Internationalen Energieagentur für 2019 aber nur bei 31,3 Millionen Barrel Opec-Öl täglich.

US-Präsident Trump hatte die Opec in den vergangenen Wochen mehrfach aufgefordert, für einen niedrigeren Ölpreis zu sorgen. Zuletzt kam ihm entgegen, dass einige der «Opec+»-Staaten ihre Produktion hochgefahren hatten, um die von Trump angekündigten Sanktionen gegen den Iran auszugleichen. Letztlich fielen die Sanktionen aber nicht so streng aus. Für die wichtigsten Abnehmer von iranischem Öl gibt es großzügige Ausnahmen. Da auch Russland und Saudi-Arabien derzeit relativ viel Öl aus dem Boden pumpen und die USA viel Schieferöl produzieren, ging der Ölpreis in die Knie.



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    Quelle: Sponsor Deutsche Bank / Realtime Indikation