Überblick
20.03.2017

Schleckers Wirtschaftsprüfer wehren sich gegen Vorwürfe

Von Annika Grah, dpa

Stuttgart (dpa) Im Bankrottprozess gegen Anton Schlecker haben die beiden mit angeklagten Wirtschaftsprüfer vor dem Landgericht Stuttgart die gegen sie erhobenen Vorwürfe zurückgewiesen. Ihnen wird unter anderem zur Last gelegt, Bilanzen für 2009 und 2010 trotz Unstimmigkeiten abgenickt zu haben.

Mitarbeiter der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young (EY) hatten die Bücher von Schlecker seit 1991 geprüft. 

Der 42 Jahre alte damalige Prüfungsleiter forderte am Montag die Abtrennung der Anklage gegen die beiden Prüfer von dem Verfahren der Schlecker-Familie. Würde das Gericht dem zustimmen, könnten die Wirtschaftsprüfer auf ein schnelleres Ende hoffen. Denn auf sie beziehen sich nur wenige der mehr als 40 Anklagepunkte im Strafprozess gegen den ehemaligen Drogeriemarktbesitzer und seine Familie. Bislang ist das Verfahren bis Oktober angesetzt doch der Richter hatte bereits angekündigt, mehr Zeit zu benötigen.

Bei den Wirtschaftsprüfern geht es unter anderem um die Frage, ob eine Stille Beteiligung über 270 Millionen Euro von Schleckers Kindern fälschlicherweise als Eigenkapital ausgewiesen worden war. Eigenkapital wird zum Beispiel dann für ein Unternehmen wichtig, wenn Verluste ausgeglichen werden müssen - wie bei Schlecker vor der Insolvenz. Mit Stillen Beteiligungen sind Anteile ohne Einfluss auf unternehmerische Entscheidungen gemeint.

Ob eine Stille Beteiligungen dem Eigenkapital einer Firma zugerechnet werden kann, sei selbst unter Experten umstritten und hänge entscheidend von der Ausgestaltung des Vertrags ab, sagte einer der beiden Prüfer. Anton Schlecker hatte seit 1999 Stück für Stück Eigenkapital an seine Kinder übertragen, um Erbschaftssteuer zu sparen und sie an das Unternehmen zu binden. 

Eine weiterer Streitpunkt ist, ob ein privates Darlehen aus dem Jahre 2008 über 50 Millionen Euro an Anton Schlecker von der Logistikfirma LDG, deren Gesellschafter seine Kinder waren, als Eigenkapital gewertet werden durfte. Schlecker führte seinen Milliardenkonzern als eingetragener Kaufmann und haftete mit seinem Privatvermögen auch für Verluste des Unternehmens.

Doch auch hier sahen die Wirtschaftsprüfer keine Probleme: Im Rahmen der Prüfung habe es nicht den geringsten Anlass gegeben, an der bisherigen Bilanzierungspraxis zu zweifeln, sagte der damalige Prüfungsleiter. Gleichzeitig räumten die Wirtschaftsprüfer ein, keinen vollständigen Überblick über die privaten Vermögensverhältnisse gehabt zu haben. Schlecker und seine Geschäftsführer hätten aber noch im Sommer 2011 versichert, dass der Firma aus dem Privatvermögen genug Geld zugeschossen werden könnte.

In dem Prozess um die Insolvenz der Drogeriemarktkette im Jahr 2012 wirft die Anklage Anton Schlecker unter anderem vor, vorsätzlich Vermögenswerte in Höhe von mehr als 25 Millionen Euro dem Zugriff der Gläubiger entzogen zu haben. Nach der Insolvenz verloren Zehntausende Schlecker-Mitarbeiter ihren Job. 

Wegen Beihilfe sitzen auch Schleckers Frau Christa sowie die beiden Kinder Meike und Lars auf der Anklagebank. Den Kindern wird auch Insolvenzverschleppung des Logistikers LDG vorgeworfen, der für den Schlecker-Konzern arbeitete. Schlecker und seine Familie blieben Aussagen zu ihren aktuellen Vermögensverhältnisse am Montag erneut schuldig. Der Prozess soll am 3. April mit der Vernehmung der ersten Zeugen fortgesetzt werden.



Thema des Tages

Islamistischer Terroranschlag in Barcelona mit vielen Toten

Barcelona (dpa) - Bei einem islamistischen Terroranschlag mit einem Lieferwagen sind auf Barcelonas berühmter Flaniermeile Las Ramblas mindestens 13 Menschen getötet worden. »weiter
Lesen Sie auch:
  • Lufthansa will sich Großteil der Air Berlin sichern
  • Attacke in Barcelona: Was wir wissen - und was nicht
  • Nazi-Verdacht gegen Bundeswehr-Elitetruppe KSK
  • Computer

    Gericht: Werbeblocker im Internet bleiben erlaubt

    München/Köln (dpa) - Im Kampf gegen ein Programm, das Werbung im Internet blockiert, haben mehrere Medienunternehmen erneut eine Niederlage erlitten. »weiter
    Lesen Sie auch:
  • Studie: 30 Millionen Menschen «daddeln» in Deutschland
  • Bericht: Apple will TV-Serien-Offensive starten
  • Deutscher Markt für Computer- und Videospiele wächst weiter


  • Wissenschaft

    Forscher empfiehlt: Prüfungen in der Schule besser um 10 Uhr

    Frankfurt/Main (dpa) - Nach den Sommerferien fangen viele Schüler wieder an zu stöhnen: Früh aufstehen ist angesagt. Vor allem männliche Jugendliche belastet der Unterrichtsbeginn um 8 Uhr, sagt Horst-Werner Korf, der Direktor des Senckenbergischen Chronomedizinischen Instituts in Frankfurt. »weiter
    Lesen Sie auch:
  • So einfach motzt man Whiskey auf
  • Homo- oder Hetero-Eltern? Für Kinder-Identitätsgefühl egal
  • Permafrost auf der Zugspitze könnte 2080 verschwunden sein
  • Börse
    DAX
    Chart
    DAX 12.112,00 -1,24%
    TecDAX 2.249,50 -0,79%
    EUR/USD 1,1728 +0,01%

    Quelle: Sponsor Deutsche Bank / Realtime Indikation