Überblick
22.06.2012

Trotz Schuldenkrise: Investoren glauben an Deutschland

MTU-Werk in Friedrichshafen: Trotz der europäischen Schuldenkrise glauben ausländische Investoren an den Standort Deutschland. Foto: Tobias Kleinschmidt/Archiv

Berlin (dpa) - Trotz der europäischen Schuldenkrise glauben ausländische Investoren einer Umfrage zufolge an den Standort Deutschland. Neun von zehn Managern sind zuversichtlich, dass Deutschland die Krise meistere, für Europa sagen dies 81 Prozent.

Das sind Ergebnisse einer Untersuchung der Beratungsgesellschaft Ernst & Young zur Attraktivität des Wirtschaftsraums Europa, die am Freitag in Berlin vorgestellt wurde. Befragt wurden Manager von 840 internationalen Unternehmen.

Im Gegensatz zu den Ratingagenturen schauten die Unternehmen mehr auf die Fundamentaldaten Deutschlands und Europas, sagte Ernst & Young-Partner Peter Englisch. Sie interessiere vor allem der große Absatzmarkt sowie die hohe Zahl an Konsumenten, schließlich wollten sie ihre Produkte verkaufen. Fast jeder zweite Investor ist laut Umfrage der Meinung, dass Deutschland und Europa als Standorte vom Euro profitieren - bei der Befragung vor einem Jahr waren es allerdings noch 60 Prozent gewesen.

Weltweit kommt Deutschland als bestes europäisches Land auf die Frage nach den attraktivsten Investitionsstandorten auf Rang sechs - nach China, Indien, den USA, Russland und Brasilien und vor Großbritannien. Deutschland wird vor allem geschätzt für seine gute Infrastruktur, die Qualifikation der Arbeitskräfte und die hohe Qualität von Forschung und Entwicklung. Die vielversprechendsten Branchen seien die Autoindustrie und die IT-Branche.

2011 investierten ausländische Unternehmen deutlich mehr in Deutschland. Laut Untersuchung stieg die Zahl der Projekte um 7 Prozent auf rund 600. Rund 18 000 neue Jobs wurden geschaffen, das waren 43 Prozent mehr als im Vorjahr. Die meisten Projekte kamen laut Umfrage erneut aus den USA, allerdings war die Anzahl rückläufig. Dahinter folgten Unternehmen aus der Schweiz und Großbritannien, dann mit einem starken Plus China. In Europa lag Deutschland bei der Zahl der Projekte auf Rang zwei hinter Großbritannien, das auch wegen der Sprache für US-Unternehmen der bevorzugte Standort ist.

Chinesische Investoren sind außerdem zunehmend an der Übernahme deutscher Firmen interessiert, wie eine erst vor kurzem vorgestellte Studie von Ernst & Young ergeben hatte. Ihnen gehe vor allem darum, zusätzliche Absatzmärkte zu erschließen.

Das derzeit größte Interesse an Investitionen in Deutschland komme aus China, bestätigte Andreas Bilfinger, Sprecher von Germany Trade & Invest, der außenwirtschaftlichen Standortwerber der Bundesrepublik. Insgesamt sei das Interesse ausländischer Investoren ungebrochen. Nach Zahlen von Germany Trade & Invest gab es im vergangenen Jahr 827 Ansiedlungsprojekte aus dem Ausland in Deutschland. Das war ein Plus von 13 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.



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