Überblick
23.05.2012

Deutsche Aktien wegen Griechenland stark unter Druck

Frankfurt/Main (dpa) - Schwache Wirtschaftsdaten aus Italien und die anhaltenden Sorgen um die Zukunft Griechenlands in der Eurozone haben dem deutschen Aktienmarkt am Mittwoch einen herben Rücksetzer eingebrockt. Kurz nach Beginn des EU-Sondergipfels büßte der Dax 2,33 Prozent auf 6285,75 Punkte ein.

Die jüngsten Erholungsbewegung ist damit schon wieder verpufft. Auf Jahressicht steht nur noch ein Plus von gut 6 Prozent zu Buche. Der MDax sank zur Wochenmitte um 1,91 Prozent auf 10 228,24 Punkte, und der TecDax verlor 1,52 Prozent auf 750,96 Punkte.

Laut Aktienhändlerin Dafni Serdari vom Brokerhaus Intertrader haben Anleger mit Blick auf den EU-Gipfel wieder eine vorsichtige Haltung eingenommen. «Bei wichtigen Themen wie etwa Griechenland oder Eurobonds sind keine konkreten Entscheidungen zu erwarten», meinte die Börsianerin. Nur solche echten Fortschritte aber könnten dem Markt Erleichterung bringen. Zuvor hatte der ehemalige griechische Ministerpräsident Lucas Papademos den Austritt Griechenlands Händlern zufolge als reales Risiko bezeichnet. Inzwischen dementierte die Regierung in Athen Medienberichte, denen zufolge sich die Euro-Länder auf einen Austritt Griechenlands aus dem Währungsraum vorbereiten sollen.

Eine enttäuschende Verbraucherstimmung in Italien kam als Belastung für den Aktienmarkt hinzu. Wie nervös die Anleger derzeit sind, zeigt Börsianern zufolge auch der Umstand, dass die Rendite dreißigjähriger Bundesanleihen am Mittwoch erstmals unter zwei Prozent und der Euro gegenüber dem US-Dollar auf ein 22-Monatstief gefallen war.

Die Aktien von SAP kamen nach der angekündigten Übernahme des Cloud-Spezialisten Ariba weniger stark als der Markt unter Druck. Sie fielen um 0,90 Prozent auf 47,38 Euro. Insgesamt war unter Händlern und Analysten zwar von einem hohen Preis die Rede. Einige Börsianer sahen es jedoch als sinnvoll an, dass SAP seine Position im Cloud-Bereich stärkt. Die ThyssenKrupp-Papiere waren nach einer negativen Analystenstimme und einer Senkung des Ausblicks durch die Ratingagentur Fitch mit Einbußen von exakt 5,00 Prozent schwächster Dax-Wert.

Favorit im MDax waren die Aktien von Symrise, die um 4,54 Prozent stiegen. Die Titel des Aromen- und Duftstoffherstellers profitierten Händlern zufolge von wieder aufgewärmten Übernahmespekulationen.

Der EuroStoxx 50 schloss 2,68 Prozent tiefer bei 2134,05 Punkten. Für die nationalen Indizes in Paris und London ging es ebenfalls stark nach unten. Der US-Leitindex Dow Jones Industrial sank zum Zeitpunkt des europäischen Börsenschlusses um 1,32 Prozent.

Am Rentenmarkt fiel die durchschnittliche Rendite börsennotierter Bundeswertpapiere von 1,18 Prozent am Vortag auf 1,16 Prozent. Der Rentenindex Rex stieg um 0,21 Prozent auf 133,86 Punkte. Der Bund-Future legte um 0,47 Prozent auf 144,15 Punkte zu. Der Kurs des Euro fiel indes unter die Marke von 1,26 US-Dollar und notierte zuletzt bei 1,2571 Dollar. Die Europäische Zentralbank hatte den Referenzkurs gegen Mittag noch auf 1,2659 (Dienstag: 1,2768) Dollar festgesetzt. Die US-Währung kostete damit 0,7899 (0,7832) Euro.



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    Quelle: Deutsche Bank / Realtime Indikation