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26.11.2015

Bilder erzählen Geschichte - «Die Schwarzen Jahre»

Von Nada Weigelt, dpa

Berlin (dpa) - Schon mit ihrer Ausstellung «Moderne Zeiten 1900-1945» hatte die Neue Nationalgalerie in Berlin vor fünf Jahren Furore gemacht. Unter dem Titel «Die schwarzen Jahre» nimmt das renommierte Haus nun das dunkelste Kapitel dieses Jahrhunderts noch einmal besonders in den Blick.

Am Beispiel von 60 ausgewählten Werken etwa von Paul Klee, Franz Marc, Ernst Ludwig Kirchner oder Otto Dix wird erzählt, welch wunderbare Kunst trotz der Verfolgung durch die Nationalsozialisten noch entstand - aber auch, wie gnadenlos das NS-Regime mit der als «entartet» gebrandmarkten Moderne umging.

Ziel sei die Einbindung der Kunstwerke in die Zeitgeschichte, sagt Nationalgaleriedirektor Udo Kittelmann. «Aus den Einzelgeschichten der Objekte setzt sich ein Bild der Zeit zusammen, das immer wieder durch Brüche, Widersprüche und Gegenläufigkeiten gekennzeichnet ist.»

Zu den Einzelgeschichten gehört etwas das Schicksal des Malers Karl Kunz (1905-1971), der wegen «Judenbegünstigung» vorübergehend in Gestapo-Haft kam und Malverbot erhielt. Auf den Sperrholzplatten der Holzhandlung seines Vaters malte er heimlich weiter, die Bilder stellte er mit dem Gesicht zur Wand unentdeckt in der Werkstatt ab.

Sein Sohn, der Berliner Fotograf Wolfgang Kunz, hat nun das großformatige, am Stil des diffamierten Pablo Picasso geschulte Gemälde «Deutschland erwache!» (1942) der Nationalgalerie geschenkt. «Ich hatte immer Angst, dass das Werk meines Vater irgendwie versickert», sagt der 72-Jährige.

Insgesamt ist die Ausstellung nach einem «Prolog» in sechs Kapitel gegliedert - von «Streit um die Moderne» über «Emigration» bis zu «Verfolgung». Besonders eindringlich erzählen die Werke von der Aktion «Entartete Kunst».

So ist Franz Marcs bekanntestes Gemälde «Der Turm der blauen Pferde» (1913), einst Glanzstück der Nationalgalerie, nur in einer Schwarz-Weiß-Reproduktion zu sehen. Das Original wurde 1937 von den Nazis beschlagnahmt und gilt seit Kriegsende als verschollen.

Karl Hofers «Selbstbildnis» (1935/37) dagegen ist durch einen besonderen Glücksfall gleich doppelt da. Hitlers Gefolgsleute hatten es 1937 als «entartet» in die USA versteigern lassen. Die Nationalgalerie besaß nur die noch im selben Jahr entstandene Neufassung Hofers, bis sie 2014 auch das Ursprungswerk von den Erben des US-Besitzers zurückbekam.

Begleitet werden die Objekte von gründlich recherchierten Erläuterungen. Dazu gibt es einen Katalog, der sich auch fernab der Ausstellung als wichtiges Stück Zeitgeschichte liest. Zugleich eröffnet die Schau die «Neue Galerie», die in dem eigentlich auf zeitgenössische Kunst spezialisierten Museum Hamburger Bahnhof ein Übergangsquartier für die Kunst der Moderne wird.

Solange das Stammhaus, der legendäre Mies-van-der-Rohe-Bau in der Nähe des Potsdamer Platzes saniert wird, sollen hier in etwa halbjährlichem Rhythmus Teile des hochkarätigen Bestands weiter präsentiert werden. «Das ist kein bloßes Ausweichquartier», sagt Christina Haak, stellvertretende Generaldirektorin der Staatlichen Museen, «das ist eine konsequente Weiterentwicklung des Umgangs mit der Sammlung».



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    Quelle: Sponsor Deutsche Bank / Realtime Indikation