Aktuell
04.11.2015

Große Cornell-Schau: Fragile Kunst in vielen Kästchen

Wien (dpa) -Der US-Regisseur Wes Anderson («Grand Budapest Hotel») und der türkische Literatur-Nobelpreisträger Orhan Pamuk gehören zu seinen Fans: Der Amerikaner Joseph Cornell (1903-1971) hat als Autodidakt die Kunstszene beeinflusst.

In Jahrzehnten unermüdlichen Sammelns von Strandgut sowie Stöberns in Antiquariaten und auf Flohmärkten hat er all die Teile zusammengetragen, die er in fragilen Kompositionen in Kästchen («Boxes») platzierte.

Unter dem Titel «Fernweh» zeigt das Kunsthistorische Museum (KHM) in Wien nun mit 80 Objekten die bisher größte Cornell-Schau in Europa. Sie war zuvor mit großem Erfolg in der Royal Academy in London zu sehen.

Mit der Ausstellung setze das KHM nach der Präsentation der Werke von Lucian Freud 2013 die Reihe von Retrospektiven moderner Meister fort, sagte die Direktorin Sabine Haag am Montag. Fast alle der meist privaten Leihgeber in den USA hätten erst in persönlichen Gesprächen davon überzeugt werden können, ihren oft sehr zerbrechlichen Kunstschatz aus dem Haus zu geben. Eine dritte Station im Metropolitan Museum in New York sei von den Eigentümern abgelehnt worden.

Im ersten Werk seiner sechsteiligen «Apothekenserie» hat Cornell, der sein Leben lang im Elternhaus am Utopia Parkway in New York wohnte, 20 Glasfläschchen mit scheinbar wertvollen Ingredienzen gefüllt. Die Perlen, das Sägemehl und der Schmetterlingsflügel aus Papier sind Hinweise auf die Wandelbarkeit von Stoffen. Cornells lebenslanges eigenes Fernweh, er hat die USA nie verlassen, schimmert in vielen Werken durch - und gilt auch dem All. In der «Himmels-Navigation» ersetzt ein Stück Treibholz das Raumschiff.

Cornell war eigentlich Vertreter einer Textilfirma, der weder zeichnen noch malen konnte und sich auch nicht auf Bildhauerei verstand. Am Küchentisch des Elternhauses schuf er oft nachts seine «Boxes». «Joseph Cornell ist eine der großen Überraschungen in der Kunst», meint der Kurator Jasper Sharp. Er habe nachhaltigen Einfluss auf Künstler wie Jasper Johns und Andy Warhol gehabt.

Cornell starb schon mit 69 Jahren - wohl auch wegen seiner einseitigen Ernährung, die laut Kurator Sharp hauptsächlich aus Süßigkeiten bestand.



Thema des Tages

«Fahrplan» gegen Missbrauch - Papst verlangt konkrete Taten

Rom (dpa) - Der Papst hält den Kopf wie in Demut gesenkt. Vor ihm ein Meer aus lila und scharlachroten Kappen. Sie gehören den Bischöfen und Kardinälen aus aller Welt, die Franziskus zu der historischen Konferenz zum Thema Missbrauch nach Rom beordert hat. »weiter
Lesen Sie auch:
  • Ausschluss betreuter Menschen von Wahlen verfassungswidrig
  • Mindestens 70 Tote bei Feuer-Inferno in Dhaka
  • Missbrauch in der katholischen Kirche
  • Computer

    Streit um Unitymedia-Vorgehen bei Kunden-Hotspots vor BGH

    Karlsruhe (dpa) - Der Kabelnetzbetreiber Unitymedia baut ein teilöffentliches WLAN-Netz auf und nutzt dazu die Router seiner Kunden. »weiter
    Lesen Sie auch:
  • Muss YouTube Nutzerdaten preisgeben?
  • Samsungs aufklappbares Smartphone soll 2000 Euro kosten
  • Chinesische Rivalen bringen Apple und Samsung unter Druck


  • Wissenschaft

    Neue Prothesen mit mehr Gefühl

    Genf/Rom/Freiburg (dpa) - Zwei neu entwickelte Handprothesen geben Unterarmamputierten mehr Gefühl beim Greifen. Ein Ansatz zielt darauf ab, dass Patienten nicht nur Form und Härte von Objekten fühlen, sondern auch ihre Handstellung wahrnehmen. »weiter
    Lesen Sie auch:
  • Forscher stellen kleinsten Neptunmond vor
  • Ein See in knalligem Pink
  • Fortschritt im Kampf gegen Ebola im Kongo
  • Börse
    DAX
    Chart
    DAX 11.413,00 +0,10%
    TecDAX 2.595,50 -0,77%
    EUR/USD 1,1348 +0,02%

    Quelle: Sponsor Deutsche Bank / Realtime Indikation