Cellist Jan Vogler: Kammermusik setzt Energien frei
Jan Vogler ist der künstlerische Leiter des Moritzburg Festivals. Foto: Matthias Hiekel/Archiv
«Das Publikum gibt sich heute nicht mehr mit einer technisch perfekten Leistung zufrieden. Es will Fantasie, Frische und Energie spüren», sagte er der Nachrichtenagentur dpa. Die Hörer suchten nach Gefühlen und Authentizität. Vielleicht sei das ein Reflex auf das Internet-Zeitalter mit wachsender Anonymität und einer nur vorgegaukelten Intimität.
Vogler führt als Beleg Erfahrungen mit seinem renommierten Kammermusik Festival Moritzburg an. Es wurde 1993 gegründet und spielte sich rasch nach oben. Jedes Jahr lockt Moritzburg namhafte Solisten an. «Es war eine Idee und ein Produkt der neuen Freiheit. Nach der Wende konnten wir plötzlich Kollegen aus der ganzen Welt einladen.» Aber auch die Arbeitsweise in Moritzburg habe Energien freigesetzt. «Alles, was wir aufführen, wird erst in den Proben einstudiert. Wir sind im Austausch und laden hier unsere Batterien auf. Womöglich werden deshalb unsere Interpretationen als spritziger und frischer wahrgenommen.»
Zur 19. Ausgabe des Kammermusik Festivals mit 25 Musikern und drei Komponisten will Vogler das erneut beweisen. Vom 5. bis 19. August stehen Werke französischer Komponisten im Fokus. An der Festival Akademie beteiligen sich 36 junge Musiker aus 18 Ländern. Sie wurden aus rund 250 Bewerbern ausgesucht. Vogler rechnet damit, dass auch dieses Mal der Funke schnell überspringt. «Bei der Kammermusik gibt es zwischen Publikum und Spielern einen unmittelbaren Energieaustausch. Die Zuschauer sehen, wie die Musiker miteinander kommunizieren, sich anlächeln, Spaß haben. Deshalb entsteht bei ihnen das Gefühl, kein vorgefertigtes Produkt vorgesetzt zu bekommen.»



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