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01.08.2012

Versailles: Kochtopfgeklapper im Spiegelsaal

Von Sabine Glaubitz, dpa

Paris (dpa) - Selbst die extravagante und modebewusste Marie-Antoinette hätte mit den Pumps nicht durch den Spiegelsaal des Versailler Schlosses tanzen können. Die Absätze sind so hoch wie eine 4-Meter-Vielzweckleiter und bestehen aus silbernen Kochtöpfen und Deckeln.

Die prunkvollen Schuhe thronen mitten in dem Prachtsaal, in dem die letzte Monarchin (1755-1793) des Ancien Régime rauschende Feste feierte. Sie sind derzeit eine Hauptattraktion des Schlosses. Massenweise posieren die Versailles-Touristen vor dem Kunstwerk der Portugiesin Joana Vasconcelos, die mit ihrer Ausstellung alles überbietet, was bisher an zeitgenössischer Kunst in den königlichen Appartements gezeigt wurde.

Die 39-Jährige ist die erste Frau, die mit ihrer Kunst in das Versailler Prunkschloss darf. Bisher wurde dieses Recht nur dem Amerikaner Jeff Koons, dem Japaner Takashi Murakami und den beiden Franzosen Xavier Veilhan und Bernar Venet zuteil. Die Werke der Portugiesin bestechen durch Originalität und Ästhetik. Von den insgesamt 15 Installationen und Skulpturen hat sie neun für die Ausstellung entworfen.

Die Pumps tragen bezeichnenderweise den Titel «Marilyn». Die Anspielung auf den Hof als Laufsteg der Eitelkeiten, Ort der Mode und Verführung drängen sich unweigerlich auf. Doch hinter den Schuhen versteckt sich eine durchaus feministische Botschaft: «Ich habe bewusst Kochtöpfe ausgewählt. Denn zu den Klischees gehört, dass die Frau Küchenfee und Verführerin sein muss», erklärte die Künstlerin.

In Versailles geht jeder Ausstellung von zeitgenössischer Kunst eine Polemik voraus. Bei Vasconcelos wurde eines ihrer Werke sogar aus dem Schloss verdammt: «La fiancée» (etwa: Die Braut), ein Kronleuchter aus tausend schneeweißen Tampons, 2005 auf der Biennale in Venedig ausgestellt.

«Ich wollte es eigentlich zusammen mit einem Pendant im Spiegelsaal ausstellen. Aber anscheinend haben die Werke eine zu starke sexuelle Konnotation», meinte die Künstlerin. Als hätte es am Hof des Sonnengotts Ludwig XIV. keine Liebes- und Sexgeschichten gegeben. Der Tamponleuchter wurde dann in ein Pariser Ausstellungszentrum im 19. Arrondissement gehängt, an einen Ort, wo kaum Touristen hinkommen.

Die Künstlerin hat sich intensiv mit der Geschichte und der Gestaltung der Räumlichkeiten auseinandergesetzt. Für die riesige «Galerie des Batailles» hat sie ihre Inspiration aus der nordischen Mythologie geschöpft und Walküren geschaffen. Die Riesenseeungeheuer strecken ihre Tentakel gierig bis unter die goldverzierte Gewölbedecke aus und schlängeln sich bis zu Wandmalereien der Schlachten von Denain im Jahr 1712 und Fontenoy 1745.

Warum gerade Walküren? Weil diese weiblichen Gottheiten dazu bestimmt waren, die heldenhaften Toten auf den Schlachtfeldern einzusammeln, lautet die Erklärung der Künstlerin. Es gibt aber noch einen weiteren Grund: «Und weil ich die erste Frau bin, die als Künstlerin in Versailles ausstellen darf», sagte Vasconcelos. Die Werke sind noch bis 30. September zu sehen.



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