Alles über Aberglaube im Religionsmuseum Telgte
Von Christof Bock, dpa
Ein Pentagramm oder Druidenfuß im Museum in Telgte. Foto: Friso Gentsch
Tierschädel, Tarotkarten und Zeugnisse absurder Heilserwartungen gehören zu der Schau «Aberglaube» in Telgte im Münsterland. Sie beginnt stilvoll an diesem Freitag, dem 13., und ist die erste Sonderausstellung des neu eröffneten Religio-Museums.
«Wir sind das einzige Museum in Deutschland, das sich ausschließlich mit dem Thema Religion befasst», sagt die stellvertretende Leiterin Anja Schöne. «Wir zeigen, wie Menschen ihren Glauben gelebt haben und wie sie ihn heute leben. Von den ersten bronzezeitlichen Grabbeigaben bis zur heutigen Pluralität.»
Der Wallfahrtsort Telgte hatte an dieser Stelle schon vorher eine Sammlung: Heimathaus und Krippenmuseum. Die Krippen waren zwar im Advent ein Publikumsmagnet, wie Schöne erzählt. Doch wer will schon im Hochsommer Christkind und Heilige Drei Könige sehen? «In elf Wochen des Jahres hatten wir 20 000 Besucher. Und in den 41 übrigen Wochen waren es insgesamt vielleicht 5000 bis 6000 Menschen.»
Daher wurde das Museumskonzept völlig überarbeitet. Das Haus öffnete Ende April unter neuem Namen. Es geht in der Dauerausstellung des Religio nicht nur um Bibeln und Kirchenbänke. Zu sehen sind so unterschiedliche Dinge wie ein eisernes Grabkreuz von einem Friedhof in Vreden, ein Gruppenbild einer Jugendweihe in Dortmund 1926 und eine Buddhafigur aus dem Gartencenter-Sortiment. Eine Art Lounge mit bequemen Liegen - alles steril weiß gehalten - soll Gedanken zum Tod anregen. Nur noch eine Etage zeigt die schönsten Weihnachtskrippen.
Zurück zur Aberglaube-Ausstellung: Museumsleiter Thomas Ostendorf will vermitteln, dass Aberglaube «immer eine Frage des Standpunkts» sei. «Leute wissen oft gar nicht, dass sie abergläubisch sind», betont der Ausstellungsmacher. «Aberglaube hat viel mit Angst zu tun. Es ist ein kosmologischer Blick auf die Welt. Nichts ist zufällig.» Menschen machten es sich damit einfach, schuld sei das Schicksal.
Was für entsetzliche Folgen Aberglaube haben kann, deuten Exponate zur Hexenverfolgung an. Der «Hexenhammer» von 1511 war Grundlage einer jahrhundertelangen hysterischen Verfolgung. Vom 15. bis 18. Jahrhundert starben allein im heutigen Sauerland 1100 Frauen. Ein Dokument aus dem 16. Jahrhundert: Eine Frau hat - offensichtlich unter Folter - gestanden, mit dem Teufel geschlafen zu haben.
Aber auch vermeintliche Heilsbringer zeigt das Religio. Jemand hat in altdeutscher Schrift vor Jahrhunderten ein Büchlein zu Therapien verfasst. Gegen Rheuma solle man sich hinter einem heißen Ofen mit Terpentin einreiben. Das kann nicht gesund sein, wie man heute weiß.
Fußball darf nicht fehlen. Ein Bild von Krake Paul, der zur WM 2010 alle Spiele der Deutschen voraussagte, hängt in der Ausstellung. «Gerade Menschen, die in kürzester Zeit ihre Leistung abliefern müssen, sind abergläubisch. Das gilt für Bühnenschauspieler genauso wie für Fußballer», sagt Ostendorf. Der «Italien-Fluch» auf der deutschen Elf gab der Ausstellung mit der EM traurige Aktualität.
Selbst wichtige Figuren der Kirchengeschichte waren nicht frei von Aberglauben, wie der Museumschef schildert. «Von Martin Luther wird erzählt, dass er zuerst mit einem nackten Po ins Bett stieg, um böse Geister zu vertreiben.» Die Ausstellung läuft bis zum 23. September.
