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02.05.2012

Bauhaus-Ausstellung in London gibt neue Einblicke

Von Anna Tomforde, dpa

Wassily Kandinsky, Kreise im Kreis, 1923. Foto: Facundo Arrizabalaga

London (dpa) - Vom Bauhaus in Dessau hat fast jeder schon mal gehört. Auch den revolutionären Clubsessel kennen die meisten. Dass die Bauhaus-Bewegung aber viel mehr war als das, zeigt eine neue Ausstellung in London.

Schlichte gewebte Kleider, schillernde Bühnenrequisiten, gruselige Handpuppen, Holzspielzeug, moderne Avantgarde-Möbel und Ölgemälde von Wassily Kandinsky: In einer neuen Ausstellung lädt das Barbican-Centre in London zu einer Entdeckungsreise durch das Bauhaus ein. Die Betonung der Schau «Bauhaus: Art as Life» (3. Mai bis 12. August) liegt dabei neben den Objekten von Kunst, Architektur und Design vor allem auch auf der Interaktion zwischen den Künstlern, ihren Schülern und Familien. «Wir wollten die persönliche Seite des Bauhauses zeigen und einen Einblick in das tägliche Leben am Bauhaus geben», sagte Kuratorin Lydia Yee der dpa.

Dazu eignet sich der funktionale Betonbau des Barbican, mit seinen niedrigen Decken und umlaufenden Galerien, trefflich. Im open-plan Stil werden über zwei Etagen chronologisch und im Wechselspiel künstlerisches Schaffen und Alltagsleben porträtiert. Dabei wird nicht ausgespart, dass die intellektuelle Strenge der Bewegung durchaus ihre Auflockerung in ausschweifenden Parties und künstlerischen Theaterproduktionen fand. «Wir wollten das Spielerische einfangen. So wurden zum Beispiel Skulpturen oft als Spielzeuge bezeichnet. Das macht die Vorstellungskraft frei für Experimente», sagte Yee.

Farbenfrohe Wandbehänge von Gunta Stölzl, teils gruselig anmutende Handpuppen von Paul Klee - einschließlich eines Selbstbildnisses - und bunte Riesenfiguren für Oskar Schlemmers Triadisches Ballett zeugen von der Entfaltung dieser Vorstellungskraft. Kandinskys Ölgemälde «Kreise im Kreis», Gipsskulpturen von Johannes Itten und funktional-ästhetische Möbelstücke von Walter Gropius oder Adolf Meyer bieten Einblick in die Bandbreite des Schaffens der Bauhaus-Künstler. Ihr Alltagsleben wird mit 35-Millimeterfilmen und zahlreichen Fotos dokumentiert. Der Besucher kann so Tipps über das praktische Verstauen von Schuhen oder die Vorzüge von Ausziehtischen gewinnen.

Im Olympiajahr 2012 kommt auch der Sport nicht zu kurz. Fotos zeigen Bauhaus-Nachwuchs wie T. Lux Feininger beim Hochsprung im Sporttrikot und verweisen auf das Motto von der Bedeutung des Sports für die «Erziehung des neuen Menschen.» Für Philipp Oswalt, den Direktor der Stiftung Bauhaus in Dessau, liegt der Link zu Olympia auf der Hand: «Es war die Idee des Bauhauses, nationalstaatliches Denken zu überwinden und nach der Katastrophe des Zweiten Weltkriegs eine internationale Sprache zu finden - ebenso wie die Idee vom Olympia der Völkerverständigung gilt», sagte er der dpa.

Im Anschluss an die Ausstellung in London stehen weitere Bauhaus-Shows in Skandinavien, Brasilien und eventuell auch Russland auf dem Programm. In diesem Sinne habe die Ausstellung in der Weltmetropole London «einen wichtigen Stellenwert,» sagte Oswalt.



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