Filmbesprechung
07.04.2016

Heino Ferch ist «Fritz Lang»

Von Ulrike Cordes, dpa

Berlin (dpa) - In seiner düsteren, monumentalen Großstadt-Utopie «Metropolis» schuf Fritz Lang vor rund 90 Jahren einen Meilenstein der Kinogeschichte.

Auch sein 1931 entstandener erster Tonfilm «M - Eine Stadt sucht einen Mörder» ist legendär: In einer raffinierten Montagetechnik und mit viel Licht- und Schatteneffekten spiegelt Lang darin präzise eine gesellschaftliche Atmosphäre der Zerrüttung, der Angst und des aufkommenden Nationalsozialismus. Der von Peter Lorre gespielte Kindermörder ist dabei eine geschlagene Kreatur und erscheint als ein Abbild der durch Weltkrieg und Wirtschaftskrise existenziell verunsicherten Menschen.

Cineasten können sich nun auf eine außergewöhnliche Spurensuche zur Entstehung des Ausnahme-Thrillers begeben. In Gordian Mauggs Schwarz-Weiß-Collage «Fritz Lang» verkörpert Schauspieler Heino Ferch in der Hauptrolle mit Allüre und Sensibilität den sichtlich selbst von inneren Dämonen heimgesuchten Film-Grandseigneur, der als Meister des expressionistischen Stummfilms gilt.

Er trägt Frack und Monokel, schnupft Kokain und besucht die Huren Berlins - und steigt hinab in die Nacht der Seele: Nach den Erfolgen seiner Stummfilme sucht Lang einen Stoff für seinen ersten Tonfilm. Aus der Zeitung erfährt er von Serienmorden und fährt nach Düsseldorf. Dort ist der ihm bekannte Kriminalrat Gennat (Thomas Thieme) einem Frauen- und Kindermörder auf der Spur.

Auch Lang sucht die Tatorte auf, befragt unter anderem die Freundin eines Opfers und versucht so, dem Täter näher zu kommen. Der von dem Theaterstar Samuel Finzi filigran gezeichnete Kleinbürger steht hier im Film für den 1931 hingerichteten, tatsächlichen Mörder Peter Kürten. Dessen Geschichte wurde für Lang und seine Ehefrau und Co-Drehbuchautorin Thea von Harbou zur auslösenden Figur, die in «M» dann schließlich von Peter Lorre meisterhaft verkörpert wurde.

Mauggs Drama, das vor allem auf Langs Recherchen zu diesen Verbrechen fokussiert, nähert sich psychologisch facettenreich dem komplexen, in persönliche Schuld verstrickten Innenleben Langs. Zugleich gelingt es dem deutschen Regisseur Maugg, auch durch die schwarz-weißen Bilder und die Mischung mit viel historischem Dokumaterial, die Atmosphäre von Langs Filmen einzufangen. Und nicht zuletzt erinnert Maugg mit seiner Hommage an die Regiegröße Lang noch einmal an die außerordentlichen Verwerfungen der Umbruchjahre deutscher Zeitgeschichte um 1930.



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