Filmbesprechung
07.04.2016

«Das Dschungelbuch»: Spektakuläre Bilder

Von Cordula Dieckmann, dpa

München (dpa) - Neuauflagen und Fortsetzungen alter Filme liegen im Trend. «Star Wars», «Spiderman» oder «Ghostbusters» - alles schon mal da gewesen. Auch Disney setzt auf Altbewährtes wie «Cinderella», der 2015 ein Hit an den Kinokassen war.

Nun kehrt ein weiterer Klassiker auf die Leinwand zurück: «The Jungle Book - Das Dschungelbuch». Disney legt seinen berühmten Zeichentrickfilm von 1967 neu auf, als visuell beeindruckende Mischung aus real gedrehtem Film und Computertechnik.

Inhaltlich ist es «Iron Man»-Regisseur Jon Favreau allerdings leider nicht gelungen, sich von dem alten Kultfilm zu lösen und Rudyard Kiplings Werk eigenständig zu interpretieren. So ist das neue «Dschungelbuch» zwar technisch hervorragend umgesetzt, letztlich aber doch nur eine Nacherzählung eines längst bekannten Stoffs. Auch die Leichtigkeit und den Charme der fast 50 Jahre alte Zeichentrick-Vorlage kann der neue Film über weite Strecken nicht erreichen.

Ein paar starke Akzente setzt Favreau dennoch. So ist Moglis Welt dieses Mal nicht so süßlich und gemütlich, wie in Disneys altem Film. Die Geschichte, wie der bei den Wölfen aufgewachsene Menschenjunge gegen den Tiger Shir Khan kämpft, ist wesentlich düsterer und aufregender erzählt - und rückt damit näher an Kiplings Bücher heran. Elefanten-Colonel Hathi ist auch kein trotteliger Anführer. Wenn er mit seiner grauen Herde anrückt, verneigen sich die Urwald-Bewohner ehrfürchtig.

Außerdem ist Moglis Verhältnis zu seinen Freunden in der neuen Fassung weniger sorglos. Balu (deutsche Stimme: Armin Rohde) etwa ist nicht nur der nette Onkel, mit dem er Spaß hat. Der Bär ist widersprüchlicher; unter seiner Freundlichkeit verbirgt sich einiges an Opportunismus. Auch mit dabei: die Schlange Kaa (Jessica Schwarz), der Panther Baghira (Joachim Król), der böse Shir Khan (Ben Becker) und der Affenkönig Louie (Christian Berkel).

Ein wichtiges Element im neuen «Dschungelbuch» ist die Spannung. Immer wieder gerät Mogli im Urwald in Gefahr, dramatische Szenen spielen sich ab, für jüngere Kinder vielleicht etwas beängstigend. Einige komische Momente lockern die Stimmung dennoch auf, ebenso wie die altbekannten Lieder, die durch den Zeichentrickfilm zu Kultsongs wurden. Angesichts der oft düsteren Tonalität des Films wirken sie allerdings eher aufgesetzt und fast fehl am Platz.

Wenn Balu im alten Zeichentrickfilm unbekümmert durch den Urwald trampelt, Ameisen unter Steinen aufleckt und sich mit Mogli amüsiert, kann er gar nicht anders kann, als vor Lebensfreude loszusingen: «Probiers mal mit Gemütlichkeit». In der Neuauflage ist das nicht so. Zwar freunden sich Mogli und Balu hier auch an, doch innig wirkt ihre Beziehung nicht. Balu ist ohnehin kein Ausbund an Frohsinn, dem man diesen Freudenausbruch so ohne Weiteres abnimmt. Authentischer wirkt Affenkönig Louie, wenn er neidvoll singt: «Ich wäre gern wie du». Hörenswert im englischen Original ist übrigens Scarlett Johansson als die Sinne verwirrende Riesenwürgeschlange Kaa, die Mogli einwickeln will. Leider verschwindet ihr wunderbar verführerisch gesungener Song im Abspann: «Trust in me - Vertraue mir!».

Das Spektakulärste aber sind die Bilder, geschaffen von einem Team, das schon bei visuell überwältigenden Filmen wie «Avatar - Aufbruch nach Pandora» oder «Life of Pi - Schiffbruch mit Tiger» dabei war. Real gedrehte Filmszenen mischen sich mit digitalen Dschungel-Welten und am Computer geschaffenen Tieren, die so lebensecht wirken, dass die Grenzen für die Zuschauer verschwimmen. Künstler in Indien schossen außerdem 100 000 Fotos, die als Vorlage für die Gestaltung des üppigen Urwalds dienten.

Normal gedreht wurden dagegen die Szenen mit Mogli-Darsteller Neel Sethi. Keine leichte Aufgabe für den Schüler, dessen Spiel dann auch etwas distanziert wirkt. Da die Tiere nachträglich eingefügt wurden, hatte er keine echten Spielpartner am Set. Favreau engagierte deshalb Puppenspieler, die die Rolle der Tiere übernahmen, im Film aber nicht zu sehen sind.

Der Zeichentrickfilm von 1967 hatte in Deutschland Kultstatus. Ob der neue Film an diesen Erfolg anknüpfen kann, bleibt abzuwarten. Doch nicht zu lange. Denn bereits 2017 soll die nächste Neuverfilmung ins Kino kommen, dieses Mal aus den Studios Warner Bros. und inszeniert von Andy Serkis, der mit der Rolle als Schimpanse Caesar im «Planet der Affen - Revolution» selbst schon einschlägige Erfahrungen sammeln konnte.



Thema des Tages

Verdi ruft erneut zu Streiks bei Amazon auf

Leipzig/Werne (dpa) - Mitten im Weihnachtsgeschäft hat die Gewerkschaft Verdi abermals zu Streiks beim Versandhändler Amazon aufgerufen. »weiter
Lesen Sie auch:
  • UN-Vollversammlung stimmt über globalen Flüchtlingspakt ab
  • Nach Klimagipfel: Ruf nach Reform der Energiepolitik
  • Siegerin Kerber lobt Vogel - Lange & Eishockey-Team geehrt
  • Computer

    Datenpanne bei Facebook: Entwickler hatten Zugang zu Fotos

    Menlo Park (dpa) - Durch eine Datenpanne bei Facebook haben Hunderte Apps im September mehrere Tage lang zu weitreichenden Zugriff auf Fotos von mehreren Millionen Mitgliedern des Online-Netzwerks gehabt. »weiter
    Lesen Sie auch:
  • Apple-Chef: Datenhunger könnte Meinungsfreiheit bedrohen
  • YouTube-Jahresrückblick knackt Negativrekord
  • Datenschutz-Klage gegen Facebook vor dem BGH


  • Wissenschaft

    Erstes abhörsicheres Quantennetzwerk mit vier Teilnehmern

    Wien (dpa) - Österreichische Forscher haben nach eigenen Angaben einen entscheidenden Schritt zur abhörsicheren Kommunikation im Internet erreicht. »weiter
    Lesen Sie auch:
  • Plastikmüll-Fänger «Ocean Cleanup» funktioniert noch nicht
  • Blink Blink: Wie wir mittels Blinzeln kommunizieren
  • Israelische Forscher verwandeln Kot in Kohle
  • Börse
    DAX
    Chart
    DAX 10.869,00 +0,03%
    TecDAX 2.510,25 -0,38%
    EUR/USD 1,1340 +0,29%

    Quelle: Sponsor Deutsche Bank / Realtime Indikation