«Die Liebenden»: Deneuve und ihre Tochter glänzen
Von Gregor Tholl, dpa
Madeleine (Catherine Deneuve, l) und Vera (Chiara Mastroianni) suchen nach der Liebe. Foto: Senator Filmverleih
Mit dem poetischen Paarbeziehungs-Film «Chanson der Liebe» begeisterte der französische Regisseur Christophe Honoré vor vier Jahren frankophile Kinogänger in Deutschland. Ein Jahr zuvor war der Musikfilm (Originaltitel: «Les chansons d'amour») auch in seiner Heimat erfolgreich. Jetzt kommt der nächste Musik- und Liebesfilm des 42-Jährigen in die deutschen Kinos: «Die Liebenden - von der Last glücklich zu sein».
Das Werk mit Catherine Deneuve in der Hauptrolle war der Abschlussfilm des Filmfestivals von Cannes 2011 (unter dem englischen Titel «Beloved»; in Frankreich lief der Film als «Les biens-aimés»). Die Chansons zu diesem Musical stammen wieder von Alex Beaupain.
Die Deneuve ist in diesem wunderbar melancholischen Film, wie er wohl nur in Frankreich entstehen kann, an der Seite ihrer Tochter Chiara Mastroianni zu sehen. Beide spielen hier auch Mutter und Tochter - erstmals treten sie gemeinsam in einem Kinofilm auf.
Der Film versucht sich an 40 Jahren Liebesgeschichte, oder besser: vier Jahrzehnten Geschichte der Liebe. Er spannt den Bogen von der sexuellen Revolution bis ins Zeitalter von Aids, vom Prager Frühling bis zum 11. September 2001. Er spielt in Paris, Prag, London und Nordamerika.
«Die Liebenden» stellt verletzliche und zugleich starke Frauen in den Mittelpunkt. Zum Ereignis wird er aber auch durch die männlichen Darsteller: allen voran der 80-jährige Milos Forman - der Regisseur von Meisterwerken wie «Einer flog über das Kuckucksnest» oder «Amadeus». Er spielt hier einen gealterten tschechischen Liebhaber.
Die Rolle der Deneuve in jungen Jahren übernimmt Ludivine Sagnier, die man aus «Chanson der Liebe» und vor allem François-Ozon-Filmen wie «Swimming Pool» oder «8 Frauen» kennt. Die von Deneuve und Sagnier verkörperte Figur heißt Madeleine.
Im Paris der 60er Jahre kommt die Schuhverkäuferin eher zufällig zur Gelegenheitsprostitution. Sie verliebt sich in einen ihrer Freier und folgt dem jungen tschechischen Arzt in seine Heimat. Als im Prager Frühling 1968 die Panzer auftauchen und ihr Jaromil sie betrügt, verlässt die Französin mit ihrem Töchterchen das Land.
Zurück in Paris geht sie eine Vernunftehe mit dem Polizisten François ein. Als Jaromil ein paar Jahre später wieder auftaucht, kann sie nicht von ihm lassen. Ein Leben lang wird er eine Art Zweitmann und ihre wahre Liebe bleiben. Libertäre Libido à la française.
Der Film erzählt auch, wie ähnlich instabil es Madeleines Tochter Véra (nicht immer ganz überzeugend: Mastroianni) in Liebesdingen ergeht. Neben ihrer komplizierten Beziehung zu Clément (leider recht schwach: Louis Garrel) empfindet sie eine große Liebe für den amerikanischen Musiker Henderson (wunderbar: der Amerikaner Paul Schneider). Doch der ist schwul. Und außerdem HIV-positiv. Selten sind Fallhöhen und Melancholien verschiedener Liebesarten so eindringlich und dennoch heiter gezeigt worden wie in diesem Film. Formidable!
