«Sohnemänner»: Zwischen Altenpflege und Familienkrieg
Von Nathalie Schnabel, dpa
Uwe (Marc Zwinz) entführt seine Oma Hilde (Renate Delfs ) aus dem Altenheim. Foto: Aries Images
Mit seinem ungleichen Vater-Sohn Gespann Edgar und Uwe, das sich an der Frage nach der besten Betreuung für Oma Hilde zerreißt, lässt Haeb skurrile Szenen entstehen, die doch wie aus dem Leben gegriffen sind. Etwa wenn Oma Hilde sich im Schwarzwald das Heim «Sonnenhof» angucken soll, alle gemeinsam bei Tisch sitzen und sie ihren um die 50-jährigen Sohn Edgar anfährt: «Jetzt sag doch mal ordentlich guten Tag!»
Ausgangspunkt der Geschichte ist ein Altenheim in Hamburg. Daraus hat Uwe nämlich seine Oma Hilde entführt, um seinem Vater Edgar einen Denkzettel zu verpassen. Also wird die Oma kurzerhand in den Schwarzwald gekarrt. Zum Schock von Edgar, der in Hamburg schreiend durchs Altenheim läuft und nach «Mutti» ruft. Als er schließlich herausfindet, dass Uwe mitsamt Oma auf dem Weg ist, macht sich auch Edgar auf in den Schwarzwald.
Dort leben nun alle drei Generationen unter einem Dach - das kann nicht gut gehen. Denn Vater und Sohn könnten unterschiedlicher kaum sein und Oma Hilde will nur zurück nach Hamburg in ihre Wohnung. Dass es da viel Konfliktpotenzial gibt, dürfte klar sein. Dass Edgar aber nie für seinen Sohn da war und ihm auch noch Dinge ins Gesicht schleudert wie: «Man hat mich nicht gefragt, ob ich dein Vater sein will», trägt nicht gerade zur Entspannung der Situation bei.
Trotz der Beziehungsprobleme wird es dabei nie zu tragisch - das ist den gelungenen Brüchen im Film zu verdanken. Immer wenn es gerade zu schwer zu werden droht, kippt die Stimmung ins Humoristische. Aber auch die Annäherung zwischen Uwe und Edgar über den Verlauf des Films bricht den Kleinkrieg der beiden auf. Die Figuren driften nicht ins Klischee ab, nichts wirkt aufgesetzt.
Ingo Haeb ist mit «Sohnemänner» ein gefühlsstarkes und urkomisches Kino über den Umgang mit Alter und Pflege gelungen. Zugleich zeichnet er ein Porträt einer Familie, die sich eigentlich längst entfremdet hat. Seine drei Protagonisten werden von Renate Delfs, Marc Zwinz und Peter Franke wunderbar verkörpert. Eine rundum gelungene Tragikkomödie, die zum Lachen, Nachdenken und Mitfühlen einlädt.


Deutsche Bank / Realtime Indikation