Rezensionen
18.04.2016

Madame de Staël - begeistert von Deutschland

Von Sabine Glaubitz, dpa

Paris (dpa) -  Bei dem Gelehrten Alexander von Humboldt hat sie Deutsch gelernt und mit Goethe und Schiller intensiv korrespondiert. Baronin Anne Louise Germaine de Staël-Holstein - kurz Madame de Staël - hegte eine Begeisterung für die deutschen Dichter und Denker, die sie 1803/1804 zu einer mehrmonatigen Deutschlandreise bewegte.

Daraus entstand das mehrbändige «Über Deutschland», im Original «De lAllemagne», in dem die Französin ihren Landsleuten erklärt, wie ihre Nachbarn ticken. Mit ihrem Bild eines philosophie- und literaturbegeisterten, aber auch ungehobelten und derben Landes, hat die vor 250 Jahren geborene Schriftstellerin nicht nur das 19. Jahrhundert beeinflusst.

«Über Deutschland» wurde Madame de Staëls bekanntestes und meist gelesenes Buch. «Seid Ihr die Enkel Goethes oder die Attilas», fragte der französische Schriftsteller Romain Rolland seinen deutschen Kollegen Gerhart Hauptmann. Die Frage stellte er, nachdem die Deutschen zu Beginn des Ersten Weltkriegs das neutrale Belgien überfallen hatten. Deutschland das Land der Dichter, Denker und Barbaren.

Mit ihrem Deutschlandbild spielt auch Anselm Kiefer in seiner Installation «Madame de Staël - De l'Allemagne»: Pilzköpfe mit Namen deutscher Romantiker, in deren Mitte ein altes Lazarettbett steht. Darauf hat der Maler ein Maschinengewehr gelegt und das Namensschild der RAF-Terroristin Ulrike Meinhof. 

Geboren wurde die Schriftstellerin am 22. April 1766 in Paris. Das Interesse für Literatur wurde ihr von Zuhause mitgegeben. Im Salon ihrer Eltern, der Philanthropin Suzanne Curchod und dem letzten Finanzminister der französischen Monarchie, Jacques Necker, lernte sie viele literarische und geistige Größen kennen. Schon als Zwölfjährige verfasste sie eine Komödie. Und über ihren Vater, der unter Ludwig XVI. Generalkontrolleur der Staatsfinanzen wurde, lernte sie früh die Welt der Politik kennen.

Madame de Stäel fiel mit ihrem Esprit und ihrer Erscheinung auf. Auf den Porträts ihrer Zeit wird sie selbstbewusst, matronenhaft und stets mit tiefem Dekolleté dargestellt. Ihr Biograf Christopher Herold beschreibt sie so: «Wohlgeformte Arme, die sie immer frei ließ, einen üppigen Busen, den sie nicht einmal auf Reisen verhüllte, und ein Paar Beine, deren beträchtliche Rundungen [...] jeden Verdacht, sie sei etwa nur ein reiner Geist, zu entkräften schienen.» Menschen, die nicht so intelligent waren wie sie, sollen sie zu Tode gelangweilt haben.

Sie hat bedeutende Abhandlungen verfasst, unter anderem über Literatur im Zusammenhang mit gesellschaftlichen Institutionen, sich mit den Briefen und Schriften des Philosophen Jean-Jacques Rousseau auseinandergesetzt und «Delphine» und «Corinne ou lItalie» geschrieben. Die beiden autobiografischen Romane spiegeln ihren Drang nach Emanzipation und ihr Verhältnis zur Liebe wider. So war sie mit dem schwedischen Botschafter in Paris Baron Erik Magnus Staël von Holstein verheiratet, nebenbei unterhielt sie zahllose Affären. Nach vierzehnjähriger Ehe trennte sie sich im Jahr 1800 von dem 17 Jahre älteren Mann.

Ihr Deutschland-Buch wurde in Frankreich verboten. Napoleon Bonaparte ließ die Druckvorlage beschlagnahmen und einstampfen. Die Zensur galt nicht nur ihrer Germanophilie. Der Kaiser der Franzosen mochte keine hochgebildeten und emanzipierten Frauen, schon gar nicht solche, die in Opposition zu seiner Politik standen. Wegen gegnerischer Umtriebe hatte Napoleon ihr im Dezember 1802 den Aufenthalt in Paris verboten. Einer der Gründe, warum sie 1803 ihre Reise nach Deutschland antrat. «Über Deutschland» ist 1813 erstmals in England erschienen. 



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    Quelle: Sponsor Deutsche Bank / Realtime Indikation