Rezensionen
29.03.2016

Memoiren einer (nicht mehr) ultraorthodoxen Jüdin

Von Doreen Mildner, dpa

Berlin (dpa) Bücher lesen, Hosen tragen, Auto fahren das sind für viele Frauen mittlerweile selbstverständliche Dinge. Die in Berlin lebende 29-jährige Autorin Deborah Feldman musste sie sich mühsam erkämpfen. Sie wuchs in einer ultraorthodoxen jüdischen Gemeinde in New York auf.

In ihrer autobiografischen Erzählung «Unorthodox» gibt sie einen lebendigen Einblick in den Alltag dieser abgeschotteten Gemeinschaft, ohne sie jedoch zu verdammen. In ihrer Gemeinde sind Zeichen der Frömmigkeit sehr wichtig: dass verheiratete Frauen ihre Haare abrasieren und nur noch Perücken tragen zum Beispiel oder dass Jiddisch gesprochen wird, die Sprache der Vorfahren und die Sprache, die Gott gutheißt.

Denn für die Satmarer Juden ist Assimilierung der Grund für den Holocaust. Um eine Wiederholung zu vermeiden, schotten sie sich ab und leben nach strengen Vorschriften. Früh stellt Deborah Feldman die Regeln pointiert infrage: «Aber wie können wir ihm gefällig sein mit unseren kleinen Anstrengungen, den dickeren Strümpfen, den längeren Röcken? Reicht das wirklich schon, um Gott glücklich zu machen?».

Ihre Zukunft hängt davon ab, wie vorteilhaft ihre Ehe sein wird. Mit 17 Jahren beginnt ihre Familie hinter ihrem Rücken mit einer Ehestifterin zu reden. Im Supermarkt «begutachtet» ihre zukünftige Schwiegermutter sie, zwei Tage später ist die «Beschau» mit dem Jungen, den sie heiraten soll. Sie hat kurz Gelegenheit, mit ihm zu sprechen, obwohl die Entscheidung bereits gefallen ist: «Ein Kopfnicken und ein Lächeln habe ich zu geben, und ich tue es.»

Mit der Ehe erhält sie nicht den erhofften Schlüssel zur Freiheit. Offen erzählt sie von den Schwierigkeiten, mit ihrem Mann zu schlafen und dem Druck der ganzen Familie, endlich «die Ehe zu vollziehen». Und auch wenn sie, solange sie den Haushalt schafft, kleine Freiheiten hat, findet sie hinter jeder aufgehobenen Einengung die nächste Einschränkung.

Bücher machten sie von klein auf glücklich und spendeten ihr Trost. Letztendlich ist es auch ein Buch, das ihr hilft, aus dieser reglementierten Welt auszubrechen ihr eigenes Buch, «Unorthodox», das bereits 2012 auf Englisch erschienen ist. Die gut 300 Seiten lesen sich wie im Flug, so authentisch, lebendig und mit Witz erzählt Deborah Feldman von ihrem alten Leben, von einer Person, die nicht mehr existiert und der sie mit «Unorthodox» ein letztes Denkmal setzt.

Deborah Feldman: Unorthodox. Secession Verlag für Literatur, 319 Seiten, 22 Euro, ISBN 978-3-905951-79-0 (auch als E-Book erhältlich)



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    Quelle: Sponsor Deutsche Bank / Realtime Indikation