Aktuell
15.05.2012

Felicitas Hoppe: «Musenkuss ist ein Mythos»

Gespräch: Nada Weigelt, dpa

Berlin (dpa) - Die Berliner Schriftstellerin Felicitas Hoppe hat am Dienstag den renommierten Büchner-Preis zugesprochen bekommen. In einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa verrät die 51-Jährige, was sie von Preisen hält und wie sie auf ihre Geschichten kommt.

Haben Sie im stillen Kämmerlein gehofft, dass es mit dem Preis klappt?

Hoppe: «Nein, ich bin absolut überrascht. Ich bin wirklich überrascht und auch ziemlich überwältigt. Es ist eine sehr große Freude und eine Ehre, aber es ist auch eine Last. Es gibt ja Literaturpreise wie Sand am Meer, aber dieser ist doch etwas sehr Besonderes. Er steht einfach in einer sehr langen Tradition und ist der schönste und renommierteste Literaturpreis, den es in Deutschland gibt.»

Wir wichtig sind Auszeichnungen für einen Schriftsteller, der ja eigentlich sehr einsam arbeitet?

Hoppe: «Preise sind gewissermaßen zweischneidig in dem Sinne, dass man sich nicht auf sie fixieren darf. Die Vorstellung, zu schreiben, um einen Preis zu bekommen, geht nicht. Zugleich ist es aber auch wunderbar, das es solche Preise gibt. Plötzlich merkt man, es gibt da so einen Resonanzraum, in den man all die Jahre hineingearbeitet hat. Und wenn dann eine Jury sagt, hier ist jemand, der hat etwas zu sagen und den zeichnen wir aus, ist das eine schöne Sache.»

An wen denken Sie, wenn Sie schreiben?

Hoppe (lacht): «Fast hätte ich gesagt an mich. Also: Die Vorstellung, für jemanden da draußen zu schreiben, ist für mich sehr komisch. Das Entscheidende beim Schreiben ist, dass man die ganze Konzentration in die Sache legt. Und wenn die Sache selbst stimmt, dann wird sie sich auch nach außen vermitteln. Wem, das weiß man vorher nie, denn der Leser ist wirklich das unbekannteste Wesen, das es gibt.»

Wie kommen Sie auf die Ideen für Ihre Geschichten?

Hoppe: «Ich glaube, der Musenkuss ist ein Mythos. Ideen hat man automatisch, wenn man mit gesteigerter Aufmerksamkeit durchs Leben geht, und das macht das Schreiben so anstrengend. Man muss eigentlich immer aufmerksam sein und dann begegnen einem unglaublich viele Dinge, aus denen man dann mit Hilfe der Fantasie etwas Neues macht. Aber Fantasie allein ohne die Realität, das würde nicht funktionieren.»

Ihr jüngstes Buch war eine Wunschbiografie. Sind Sie mit Ihrem wirklichen Leben nicht zufrieden?

Hoppe: «Doch, sehr. Aber ich glaube, dass unsere Träume und Wünsche ein Teil unseres realen Lebens sind. Wir sind immer das, was wir sind, und zugleich sind wir auch das, was wir gern wären. Und je älter man wird, desto lieber spricht man auch über das, was man vielleicht gern gemacht hätte, weil man weiß, dass man's nicht mehr machen wird.»

Sollten Autoren sich wieder stärker in die politischen Debatten einmischen?

Hoppe: «Ein Schriftsteller hat aus meiner Sicht keine höhere oder besondere gesellschaftliche Verpflichtung. Es gibt immer verschiedene Typen, die einen halten es für nötig, die anderen weniger. Ich würde nur kein Programm daraus machen in dem Sinne, ein Schriftsteller muss sich so oder so verhalten. Das sollte jeder für sich entscheiden. Bei uns werden ja zu vielen Fragen Schriftsteller befragt. Aber, unter uns gesagt, sie wissen es auch nicht besser als andere Leute. Der Schriftsteller als der klügere Mensch - das ist eine Illusion.»



Thema des Tages

Obama trifft Gauck und Merkel

Erst das Schloss Bellevue, dann das Kanzleramt. Barack Obama spricht mit Gauck und Merkel. Mit Spannung wird seine Rede vor dem Brandenburger Tor erwartet. Über eine neue Abrüstungsinitiative wird spekuliert. »weiter
Lesen Sie auch:
  • Merkel im Internet-«Neuland»
  • Obama: Drohnenangriffe werden nicht von Deutschland aus gesteuert
  • Hintergrund: Staatsbesuche und Arbeitsbesuche
  • Computer

    Künftiger Telekom-Chef rudert bei Tempo-Bremse zurück

    Düsseldorf/Bonn (dpa) - Im Streit um die Tempo-Bremse beim Festnetz-Internet rudert die Deutsche Telekom weiter zurück. Der künftige Konzernchef Timotheus Höttges versprach in einem Interview, die kürzlich festgelegten Daten-Obergrenzen in den Tarifen anzuheben, wenn Durchschnittsnutzer sie überschritten. »weiter
    Lesen Sie auch:
  • Studie: Angestellte wünschen sich Hilfe bei IT-Sicherheit
  • Google fordert offiziell mehr Transparenz bei Geheimdienst-Anfragen
  • Microsoft überarbeitet sein Soziales Netzwerk So.cl


  • Wissenschaft

    Vögel in Städten sind besonders vorsichtig

    Radolfzell (dpa) - Stadtvögel sind stärker auf der Hut als ihre Artgenossen im Wald. Das haben Forscher des Max-Planck-Instituts für Ornithologie in Radolfzell am Bodensee herausgefunden. Demnach verändert das Stadtleben die Persönlichkeit der Tiere. »weiter
    Lesen Sie auch:
  • Langzeitexperiment zum Klimawandel beginnt
  • Studie: Pestizide verringern Artenvielfalt in Gewässern
  • Mechanisches Gepardenbaby - Schweizer bauen Roboterkatze
  • Börse
    DAX
    DAX 8.232,00 +0,03%
    TecDAX 959,25 +0,02%
    EUR/USD 1,3404 +0,07%

    Quelle: Deutsche Bank / Realtime Indikation