Rezensionen
08.05.2012

Buch über Diktatoren und ihre Bettgenossinnen

Von Sabine Glaubitz, dpa

Paris (dpa) - In «Die Frauen der Diktatoren» gibt die Französin Diane Ducret Einblick in das Liebesleben von Diktatoren und fragt sich: Wer waren die Frauen an ihrer Seite?

«Die Masse und die Frauen sind dazu gemacht, vergewaltigt zu werden». Benito Mussolini hatte ein besonders zwiespältiges Verhältnis zu Frauen. Je mehr sie ihn ablehnten, desto mehr begehrte er sie. Um die sechzehnjährige Rachele zu entjungfern, drohte er sogar, sich und sie umzubringen. Mussolini ist nur einer der Diktatoren, auf dessen Liebesleben die französische Autorin Diane Ducret in ihrem Buch «Die Frauen der Diktatoren» eingeht.

In Frankreich war das Buch ein Bestseller. Zurecht: «Die Frauen der Diktatoren» ist kurzweilig zu lesen und informativ. Die acht Kapitel, jedes ist einem Diktator gewidmet, sind Kurzbiografien, die getrennt voneinander gelesen werden können.

Mussolini, Lenin, Stalin, Salazar, Bokassa, Mao, Ceausescu und natürlich Adolf Hitler. Tyrannen, die von Frauen verehrt und angehimmelt wurden. «Jeden Tag muss ich an Sie denken, jede Stunde und jede Minute. Am liebsten führe ich nach Berlin und käme zu Ihnen. [. ] Ich kann keinen anderen Menschen mehr lieben als Sie.» Worte aus einem der mehr als 12 000 Liebesbriefe an Adolf Hitler, mit dem das Buch beginnt.

Mussolini hatte jede Menge Geliebte. Rachele, die er später auch heiratete, liebte er das erste Mal auf einem Sessel. «Geliebt habe ich sie nie. Die Sache zwischen uns war rein körperlich. Sie war ein hübsches Mädchen, rundum gut gepolstert und - wie man so sagt - ein echter Hingucker» so der «Duce». 1932 trat dann Clara Petacci in sein Leben. Auch sie musste seine Liebe mit vielen anderen teilen. Mussolini rühmte sich damit, bis zu vierzehn Mätressen gleichzeitig gehabt zu haben.

Der Historikerin ist es gelungen, weder zu historisch an das Thema heranzugehen, noch in Voyeurismus abzugleiten. Ihr Buch ist spannend und aufschlussreich zugleich. Dass sie Archive auf der ganzen Welt durchwühlt hat, kommt in jedem Satz des 352 Seiten dicken Buchs zum Ausdruck. Dabei legt sie ebenso viel Wert auf die Porträts der Tyrannen als auch deren Frauen. Sie erstellt keine Prototypen von Diktatoren-Frauen im Gegensatz zu dem Autor Erich Schaake.

Welcher Typ Frau gesellt sich an die Seite eines Diktators? Diese Frage stellte sich Schaake in seinem 2003 erschienenen Buch, das den selben Titel trägt «Die Frauen der Diktatoren». Doch während Schaake die Kurzporträts der Frauen zeichnet und Prototypen herausarbeitet wie Muse, Lolita oder Domina, legt Ducret den Fokus auf das Privatleben der Diktatoren, und rückt die Frauen nur dann in den Mittelpunkt, wenn sie für den Despoten wirklich von Bedeutung waren.

Das Schicksal von Diktatoren-Frauen: ein unerschöpfliches und vor allem auch aktuelles Thema. Deshalb schreibt die Autorin bereits an einem weiteren Buch. Diesmal soll es um die Frauen von Herrschern aus arabischen Ländern und Lateinamerika gehen.

(Diane Ducret: Die Frauen der Diktatoren, Ecowin Verlag, Salzburg, 352 Seiten, 24,90 Euro, ISBN 978-3-7110-0020-0)



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