Existenzielle Fragen: Domian spricht mit dem Tod
Von Petra Albers, dpa
Jürgen Domian stellt existenzielle Fragen. Foto: Oliver Berg
Schon kurz nach Erscheinen kletterte «Interview mit dem Tod» in die Bestsellerlisten. «Offenbar haben viele Leute eine Sehnsucht, sich mit solchen Fragen zu beschäftigen», meint der Moderator im Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa.
Domian selbst beschäftigt sich nach eigenen Angaben seit seiner Kindheit intensiv mit Sterben und Tod. «Im Grunde ist der Tod das Thema meines Lebens», schreibt er in dem Buch. «Über nichts habe ich so viel, so oft, so kontrovers, so verzweifelt nachgedacht wie über die Endlichkeit.»
Das Buch wechselt zwischen Kapiteln aus persönlichen Erlebnissen oder Gedanken des Autors und fiktiven «Gesprächsprotokollen», den Interviewpassagen, die sich jeweils auf das vorangegangene Thema beziehen. In den Fließtexten schildert Domian zum Beispiel, wie er zunächst vom Christen zum Atheisten wurde - und sich später durch verschiedenste religiöse und philosophische Bücher wühlte, um eine Antwort auf existenzielle Fragen zu finden. Er berichtet von Spaziergängen auf Friedhöfen, Besuchen im Hospiz und vom Tod seines Vaters. Auch Erfahrungen aus zahllosen Gesprächen mit trauernden oder verzweifelten Menschen aus seiner Sendung fließen mit ein.
In der Talkshow «Domian», die seit inzwischen 17 Jahren im WDR-Fernsehen und dem WDR-Radiosender 1Live ausgestrahlt wird, rufen ihn Nacht für Nacht Leute mit allen möglichen Anliegen an. Die meisten wollen über ihre Probleme und Sorgen sprechen. Darunter sind auch viele Anrufer, die vom Tod eines nahen Angehörigen, einer schlimmen Krankheit oder dem eigenen bevorstehenden Tod berichten. Domian, der übrigens keine psychologische Ausbildung hat, kann längst nicht immer mit einer Lösung dienen - aber er hört den Menschen zu.
In seinem mittlerweile dritten Buch - die vorherigen beiden sind Romane - fragt er den Tod unter anderem nach dessen Haltung zur Liebe, zur Wiedergeburt und zu Gott. Die Antworten, die er seinem Interviewpartner in den Mund legt, seien im Grunde eine Zusammenfassung tausend Jahre alter Weisheiten und Mystik, erläutert Domian.
Teilweise lässt er den Tod recht eindeutig Position beziehen - etwa zum Thema Sterbehilfe. Oft aber bleiben die Antworten diffus und für den Leser wie auch den Fragesteller schwer verständlich - gerade wenn es um ganz Existenzielles geht wie ein Leben nach dem Tod. «Wir Menschen wollen natürlich alles verstehen. Aber sobald es ins Religiöse geht, kommt man eben mit der Vernunft nicht weiter», sagt der Journalist.
Und so ist «Interview mit dem Tod» ein mit rund 170 Seiten zwar eher dünnes, aber keineswegs flott zu lesendes Buch. Es lässt den Leser nachdenklich zurück.
(Jürgen Domian: Interview mit dem Tod. Gütersloher Verlagshaus, 176 Seiten, 16,99 Euro, ISBN 978-3-579-06574-8)
