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20.06.2012

Wanderexperte Andrack: Der Trend geht zu immer kürzeren Wegen

Rund 50.000 Wanderer aus ganz Deutschland und dem europäischen Ausland treffen sich im brandenburgischen Fläming zum Deutschen Wandertag. Foto: Patrick Pleul

Saarbrücken (dpa) - Die Wanderlust der Deutschen ist ungebremst. Unterstützt wird der Drang nach draußen von zahlreichen neuen zertifizierten Strecken, etwa Premium- oder Qualitätswanderwegen wie dem Rheinsteig, Westerwald- oder Eifelsteig. Das zeigt der 112. Wandertag.

Zu den bekennenden Wandersmännern zählt Manuel Andrack. Der ehemalige Redaktionsleiter von TV-Moderator Harald Schmidt lebt inzwischen im Saarland. Zum Start des 112. Deutschen Wandertags (20. bis 25. Juni) in Brandenburg erklärt Andrack, was es Neues gibt auf den Wegen und Pfaden in Deutschland.

Welche aktuellen Entwicklungen können Sie in der deutschen Wanderwelt ausmachen?

Andrack: «Der Trend geht zu immer kürzeren Wegen. Die Premiumwege etwa waren am Anfang ja meist 18 bis 20 Kilometer lang, dann ging es auf zwölf und 15 Kilometer. Mittlerweile werden ganz viele Wege neu zertifiziert, die haben manchmal nur sechs Kilometer. Das ist super. Gerade wenn man mit der Familie geht, mit Kindern, dann kann man die leichter motivieren. Die Erlebnisdichte ist sehr hoch. Man kann ja auch beim Wandern was Schönes erleben, wenn es kurz ist.»

Wer mal die ausgetretenen Pfade verlassen will, haben Sie für den einen Tipp?

Andrack: «Was auch schön ist, ist Orientierungswandern - dass man einfach sagt: Dahinten ist der Berg, da will ich hin, egal wie. Auch mal quer durchs Feld, über einen Bach. Das funktioniert auch mit einem Aussichtsturm oder einer Burg. Einfach losgehen, aber nicht einen markierten Weg, sondern einfach auf das Ziel zu. Das macht schon Spaß. Und gibt auch eine Befriedigung, wenn man es geschafft hat und nicht tausend Leute haben vorgearbeitet und den Weg markiert.»

Wie erklären Sie sich die neue deutsche Lust am Wandern?

Andrack: «Die bedient natürlich sehr viele Trends, die sowieso zur Zeit in der Luft liegen. Raus in die Natur ist schon sehr gefragt. Oder das Thema Nachhaltigkeit, man muss nicht immer in den Flieger steigen. Ganz plakativ gesagt: Ballermann ist out, deutsches Mittelgebirge ist in. Fürs Wandern brauche ich auch keine riesige Ausrüstung, ich brauche keine Lehrgänge. Wer von Tennislehrer auf Wanderlehrer umschult, wird wohl ziemlich arm, denn man geht halt einfach los.»

In den vergangenen Jahren sind zahlreiche neue Wege ausgezeichnet worden. War das nötig?

Andrack: «Die Deutschen haben nach neuen Wegen gedürstet. Vor über 100 Jahren haben die Wandervereine mal angefangen, Wege zu markieren und jetzt gibt es seit zehn Jahren die Premiumwege - und die werden angenommen. Absolut. Sowohl von neuer Kundschaft, als auch von der alten. Die Faszination am Wandern macht ja neben dem Naturerlebnis auch die Abwechslung aus. Es ist nicht wie beim Joggen, mit der üblichen Runde, sondern man geht ja immer neue Wege. Wenn man einen Weg toll fand, dann geht man den nicht viermal im Jahr, sondern dann gucke ich mir mal was Neues an. Da kann das Angebot fast nicht groß genug sein.»

Wandern in ZahlenWandern ist in Deutschland in und zudem ein wichtiger Wirtschaftsfaktor. Einige Zahlen:

- Fast 40 Millionen Deutsche ab 16 Jahren wandern gerne.

- Das Durchschnittsalter der Wanderer liegt bei 47 Jahren.

- Durchschnittlich sind Wanderer rund 2:45 Stunden unterwegs.

- Gewandert wird überwiegend in Gruppen von 2 bis 5 Personen.

- Jeder fünfte aktive Wanderer ist auch in der kalten Jahreszeit unterwegs.

- Die aktiven Wanderer machen pro Jahr im Durchschnitt etwa 9,8 Touren. Pro Wanderung werden dabei durchschnittlich etwas weniger als 10 Kilometer zurückgelegt, das sind im Jahr etwa 90 Kilometer.

- Vor allem die 55- bis 64-Jährigen und die 65- bis 74-Jährigen wandern pro Jahr durchschnittlich 11- beziehungsweise 14-mal.

- Insgesamt kommen die Deutschen auf etwas unter 390 Millionen Wanderungen (einschließlich Ausland) pro Jahr, davon etwa 378 Millionen im Rahmen von Tagesausflügen in Deutschland.

- Die Gesamtkilometerleistung (Inland und Ausland) der deutschen Wanderer summiert sich auf etwa 3,6 Milliarden Kilometer.

- Die Lust am Wandern zeigt ein deutliches Süd-Nord-Gefälle.

- Rund 40 Prozent der aktiven Wanderer wandern am liebsten im Mittelgebirge.

- Ein mäßig trainierter Mittelgebirgswanderer kommt auf einen Schnitt von etwa 3 bis 5 Kilometern pro Stunde.

- Bei den Übernachtungen werden Hotels bevorzugt, dicht gefolgt von Ferienwohnungen.

- Mit dem Wandertourismus sind etwa 144 000 Arbeitsplätze verbunden.

- Wanderer geben pro Jahr rund 7,5 Milliarden Euro auf Tagesausflügen und im Wanderurlaub aus, für Ausrüstung rund 3,7 Milliarden Euro. Zusammen sind das über 11 Milliarden Euro.

- Für Outdoorjacken/Wanderjacken geben aktive Wanderer jährlich etwa 960 Millionen Euro aus, für Wanderschuhe etwa 780 Millionen Euro.

- Fast jeder fünfte Wanderer besitzt ein GPS-Gerät, jeder dritte Wanderer verfügt über einen Kompass.

Quelle: Deutscher Wanderverband: Grundlagenuntersuchung Freizeit- und Urlaubsmarkt Wandern 2010



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    Quelle: Deutsche Bank / Realtime Indikation