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31.05.2012

In der Krebstherapie früh mit Sport anfangen

Krebspatienten sollten Sport treiben, um Muskelabbau und damit einer Verschlechterung ihres Zustand vorzubeugen, rät die Medizinerin Prof. Petra Feyer. Foto: Initiative «Psyche hilft Körper»

Berlin (dpa/tmn) - Müde und schlapp - so fühlen sich Krebspatienten häufig. Denn die Nebenwirkungen der Therapie machen vielen zu schaffen. Und dann sollen sie auch noch Sport machen? Ja, genau - denn er stärkt den Körper und das eigene Selbstvertrauen.

Krebspatienten sollten so früh wie möglich im Verlauf ihrer Behandlung mit Krankengymnastik oder Sport beginnen. Denn Bewegung trage enorm dazu bei, die Nebenwirkungen der Therapie besser zu verkraften, sagt die Medizinerin Prof. Petra Feyer. «Natürlich muss man das Training an den körperlichen Zustand und die Tumorart anpassen», erklärte die Chefärztin der Klinik für Strahlentherapie, Radioonkologie und Nuklearmedizin im Vivantes-Klinikum Berlin-Neukölln.

Bei 60 bis 90 Prozent aller Krebspatienten stehe die chronische Fatigue als Nebenwirkung der Behandlung an erster Stelle. Dabei handelt es sich um einen körperlichen und geistigen Erschöpfungszustand, durch den die Betroffenen morgens schon erschöpft aufwachen. Sie sind dann kaum in der Lage sind, einfachste Alltagsaufgaben zu bewältigen. «Ich erläutere meinen Patienten immer, dass es ihnen noch schlechter gehen wird, wenn sie sich nicht bewegen und immer mehr Muskelmasse abbauen», sagte Feyer.

«Bewegung ist außerdem ein lebensverlängerndes Medikament», betonte die Vorsitzende einer Arbeitsgruppe zur sogenannten Supportivtherapie in der Deutschen Krebsgesellschaft. So hätten Studien vor allem bei Brustkrebspatientinnen gezeigt, dass sie durch ein «kontrolliertes Bewegungstraining» länger leben und dass auch der Zeitraum, bis der Krebs erneut auftritt, länger ist. Auch Patienten nach Knochenmark- oder Stammzelltransplantation profitieren von körperlichem Training mit einer rascheren Stärkung des blutbildenden Systems und kürzeren Krankenhausaufenthalten, erläuterte die Medizinerin.

Nach einer Operation sollte die Wundheilung weitestgehend abgeschlossen sein, bevor das gezielte Krankengymnastikprogramm beginnt. Manchmal sei schon ein bis zwei Tage nach einer Brustkrebs-OP Physiotherapie wieder möglich und sinnvoll, nannte Feyer als Beispiel. Während einer Bestrahlung und Chemotherapie beziehungsweise danach sei dosiertes Kraft- und Ausdauertraining empfehlenswert. Später könnten Patienten dann Reha-Sport machen, den der Arzt verordnet. Dadurch sei bis zu einem Jahr kostenloses Training möglich.

«Patienten sollten sich zwei- bis dreimal die Woche bis zu 30 Minuten belasten, anfangs nach dem Rhythmus zwei Minuten trainieren, drei Minuten Pause, zwei Minuten trainieren und so weiter», riet Feyer. Die Pausen könnten im Laufe der Zeit verkürzt werden. Am besten sei eine Kombination aus moderatem Ausdauer- und Krafttraining, zum Beispiel auf dem Crossstepper und dem Laufband. «Sie können alles machen, wozu sie Lust haben - mit 80 Prozent ihrer Energie.» Der Puls sollte sich dabei etwas beschleunigen. Ungünstig sei lediglich extremes Krafttraining.

Sport trage außerdem dazu bei, das Selbstwertgefühl und das Selbstvertrauen des Krebspatienten zu steigern, erklärte Feyer, die sich auch in der vom Pharmakonzern GSK geförderten Initiative «Psyche hilft Körper» engagiert. Der Betroffene habe Erfolgserlebnisse, wenn er merke, dass er im Laufe des Trainings fitter werde und seinem durch die Krankheit als unattraktiv empfundenen Körper wieder etwas zutrauen könne.

Sportkurse für Krebskranke gibt es zum Beispiel in Reha- oder Behindertensportvereinen. Sie werden von speziell ausgebildeten Trainern geleitet. Gegen Sport spricht laut Feyer vor allem Fieber, Blutungsgefahr und wenn eine Chemotherapie erst einen Tag zurückliegt.



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    Quelle: Deutsche Bank / Realtime Indikation