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16.05.2012

Mobbing im Netzwerk - Was Eltern dann tun können

Interview: Andreas Heimann, dpa

Mobbing gibt es auch in Sozialen Netzwerken, warnt Heinz Thiery. Der Leiter der Online-Beratung bei der Bundeskonferenz für Erziehungsberatung empfiehlt Eltern, ihren Kindern zu zeigen, dass sie nicht wehrlos sind. Foto: bke

Berlin (dpa/tmn) - Viele Kinder und Jugendliche haben schon einmal Erfahrungen mit Mobbing gesammelt. Ob sie selbst Opfer waren, oder selbst gemobbt haben, Eltern sollten nicht einfach unberührt zuschauen, sondern angemessen reagieren und helfen.

Soziale Netzwerke wie Facebook oder Google+ machen es Mobbern leicht: Wer andere «dissen» will, braucht nur ein peinliches Foto zu veröffentlichen oder boshafte Kommentare zu posten und erreicht damit oft eine durchschlagende Wirkung vor großem Publikum. Denn bevor sich das rückgängig machen lässt, haben es unter Umständen schon Dutzende oder Hunderte anderer gesehen. Wenn das gezielt und immer wieder passiert, ist es genauso Mobbing wie auf dem Schulhof und kein bisschen weniger schlimm, sagt Heinz Thiery, Leiter der Online-Beratung bei der Bundeskonferenz für Erziehungsberatung (bke). Doch Eltern müssen nicht tatenlos zusehen.

Wie sollen Eltern reagieren, wenn ihr Kind Opfer von Cybermobbing wird?

Thiery: «Man spricht das am besten direkt an oder man sagt, dass man gehört habe, dass so etwas an der Schule passiert. Es ist wichtig zu vermitteln, dass man nicht wehrlos ist und mit dem Kind zu besprechen, was die Eltern tun können und wie sich das Kind verhalten sollte. Es sollte aber möglichst keine Aktion ohne Zustimmung des Kindes geben, vor allem bei älteren Kindern nicht.»

Welche Möglichkeiten haben Eltern denn?

Thiery: «Je offener man das Thema macht, umso besser, es kann dann oft gelingen, die Situation zu ändern. Sinnvoll ist, dass die Eltern die Schule darüber informieren, dass ihr Kind in sozialen Netzwerken gemobbt wird, und auch den Klassenlehrer. Wenn man genau weiß, wer dahinter steckt, kann man auch zu den Eltern des Betreffenden Kontakt aufnehmen. Und man muss klären, ob das Cybermobbing nur eine Fortsetzung realen Mobbings ist. Wenn es sich auf ein soziales Netzwerk beschränkt, bekommt man es schneller in den Griff.»

Was machen Eltern, wenn ihr eigenes Kind mobbt?

Thiery: «Wenn man ein ungutes Gefühl hat, muss man immer darüber reden. Und wenn klar ist, dass das eigene Kind beteiligt ist, das Thema direkt ansprechen. Aber man muss auch wissen, dass eine Verurteilung seines Verhaltens fast immer zu einer Trotzreaktion führt. Dann kommen die Eltern gar nicht mehr weiter.»

Wie löst man dieses Dilemma?

Thiery: «Eltern müssen den Kindern rechtzeitig vermitteln, dass im Internet und in sozialen Netzwerken nicht alles legal ist. Und wenn sie zum Beispiel jemanden fotografiert haben in einer Pose, die für den Betreffenden peinlich sein könnte, auch darüber sprechen und fragen: 'Wie würdest du dich fühlen, wenn das veröffentlicht wird?'»

Kann man sich auch beim sozialen Netzwerk beschweren?

Thiery: «Wenn ein Kind beleidigt wird oder üble Fotos veröffentlicht wurden, kann man das versuchen. Aber es ist zum Beispiel bei Facebook nach unseren Erfahrungen gar nicht so einfach, jemanden zu erreichen, weder telefonisch noch per Mail. Für Eltern ist es oft schon schwierig herauszufinden, wo sie sich melden könnten. Das liegt auch daran, dass es bei Facebook in Deutschland keinen direkten Ansprechpartner für so etwas gibt.»



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