Thema des Tages
06.03.2019

Politischer Aschermittwoch: Vom Viehmarkt zum Politspektakel

Passau/Vilshofen (dpa) - Den politischen Aschermittwoch in Niederbayern verbinden viele noch immer mit Franz Josef Strauß.

Kein Wunder, schließlich trat der CSU-Übervater zwischen 1953 bis zu seinem Tod 1988 insgesamt 35 Mal als Redner auf - als CSU-Generalsekretär, Bundesminister, Ministerpräsident, CSU-Chef.

Dabei hat der politische Aschermittwoch eine viel längere Tradition - er wird in diesem Jahr 100 Jahre alt. Und die Geburtsstunde war auch nicht in Passau, wo die CSU inzwischen Jahr für Jahr zu Gast ist, sondern im niederbayerischen Vilshofen. Bereits in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts hatten sich dort an diesem Tag die Bauern zum Viehmarkt getroffen. Dabei feilschten sie nicht nur um Tierpreise, sondern nahmen beim Bier auch die königlich-bayerische Regierung ins Visier. 1919 lud der bayerische Bauernbund anlässlich des Viehmarkts dann erstmals zu einer Kundgebung - das Politspektakel war geboren.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der politische Aschermittwoch von der Bayernpartei wiederbelebt, die ihre Veranstaltung zu deftigen Angriffen auf die CSU nutzte. Die Christsozialen stiegen wenig später in die Tradition ein. Am 18. Februar 1953 lud die CSU zu ihrer ersten Aschermittwochs-Kundgebung: in den «Wolferstetter Keller» in Vilshofen. Strauß, damals CSU-Generalsekretär, war einer der Redner. Das Traditionslokal war am Aschermittwoch jahrelang die Heimat der CSU - aber am Ende so voll, dass die CSU 1975 nach Passau ausweichen musste, erst in die Nibelungenhalle, dann in die Dreiländerhalle.

Längst ist der politische Aschermittwoch ein mediales Politspektakel, das keine Partei, die etwas auf sich hält, auslassen kann. Große und kleinere Parteien laden ihre Anhänger an diesem Tag ein - und das längst nicht mehr nur nach Niederbayern.



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